Erinnerungen auf Glanzpapier
Der Dreh ist zu Ende und Orlando kehrt mit wehmütigen Erinnerungen heim.

Kapitel 1
Mit einem Seufzen lasse ich meine Koffer zu Boden fallen.
Da bin ich wieder.
Zuhause.
Nach zwei Jahren wieder daheim.
Nach zwei wunderbaren Jahren wieder daheim.
Ich laufe durch meine Wohnung.
Streiche mit den Fingern über die Möbel.
Das geschwungene weiche Holz des Regals unter meinen Fingern.
Ich stoße gegen die Kartons.
Pakete, die ich mir selbst geschickt habe.
Damit ich all meine Erinnerungen mit nach Hause nehmen kann.
Ins Flugzeug hätte ich sie nicht packen können.
Die obersten müssen die mit den Fotos sein.
Die habe ich als letztes abgeschickt.
Ich habe viel erlebt in den letzten zwei Jahren.
Und alles auf Papier und Film festgehalten.
Ich habe viel gelernt in den letzten Jahren.
Mein Leben hat sich geändert.
Ich bin älter, reifer geworden.
Ich schiebe die Kartons in mein Zimmer.
Lasse mich aufs Bett fallen und packe die Fotos aus.
Das erste Foto.
Billy grinst mir entgegen.
Mit ihm bin ich damals zum Dreh geflogen.
Er war der Erste aus der Ringe-Crew.
Damals tat es weh zu gehen, meine Familie und meine Freunde zurück zu lassen.
Und jetzt tut es weh, weggegangen zu sein.
Traurig betrachte ich die Bilder.
Das erste Paket ist voll mit Bildern aus den ersten Monaten.
Lachende Hobbits.
Peter, der versucht Viggo etwas zu erklären.
Viggo mit Henry und seinem Schwert.
Meine Perücke.
Mein Bogen.
Ngila überprüft, ob die Gewänder sitzen.
Eins meiner zahlreichen Paare falscher Ohren, spitzer Ohren.

All die Fotos wecken Erinnerungen.
Nachdem ich mich durch die ersten Pakete gearbeitet habe, gelächelte habe, manchmal sogar laut gelacht habe, komme ich zu dem Moment, vor dem mir graut.
Die letzten zwei Pakete müssen es sein.
Sie enthalten die meisten Fotos.
Die Fotos, mit denen ich am meisten verbinde.
Es sind die Fotos aus dem letzten halben Jahr.
Ich will sie nicht auspacken.
Ich weiß genau, dass es schmerzen wird, dass es in meiner Seele brennen wird, mich quälen wird.
Dennoch. Ich kann nicht anders.

Vorsichtig entferne ich den Kleber, der das Paket verschließt, klappe den Deckel auf.
Du lächelst mich an.
Und schon schießen mir Tränen in die Augen.
Ich weiß, dass viele der Fotos, die jetzt kommen, Schwarz-Weiß-Fotos sind.
Du hast immer gesagt, sie halten Momente besser fest.
Sie fesseln mehr.
Sie geben Emotionen besser wieder.
So wie dieses.
Du lächelst.
Ein verträumtes Lächeln.
Das Lächeln, das ich so lieben gelernt habe.
Deine Augen blitzen.
Du hast recht, das Foto wirkt lebendiger als manch andere.

Ganz behutsam lege ich es neben mich auf die Bettdecke.
Dann betrachte ich das nächste.
Einer der Hobbits muss es aufgenommen haben.
Es zeigt uns beide.
Drehpause.
Eng umschlungen auf einer Couch.
Ich sitze auf deinem Schoß.
Deine Hand ist unter meiner Tunika verschwunden.
Unsere langen blonden Haare ineinander verheddert.
Die Maskenbildner haben uns dafür gehasst.
Oft mussten sie nach den Pausen unsere Perücken richten.

Wenn ich das Bild sehe, muss ich lächeln.
Es schmerzt, aber die Erinnerungen wollen nicht wegbleiben.
Ich erinnere mich noch zu gut an deine warmen Hände auf meiner Haut.
Deine Zunge, wie sie mit der meinen spielt.
Deine Augen, wie sie mir verführerisch entgegenblitzen.

Auch dieses Foto lege ich vorsichtig beiseite.
Jedes der folgenden Fotos schmerzt in meiner Seele.
Es brennt, tut weh.
Ich vermisse dich.
Doch es ist aus.
Du hast gesagt, dass es keinen Sinn macht.
Du hast gesagt, dass es aus ist.
Du sahst keine Zukunft für uns.
Wir würden uns wohl nie wieder sehen.
Warum musste Liebe so grausam sein?

Oft habe ich einfach nur Orte, Momente festgehalten, die uns wichtig waren.
Der Strand beim Sonnenuntergang.
Der kleine Strand in der versteckten Bucht.
Ich erinnere mich, wie warm der Sand unter unseren nackten Körpern war, als wir uns dort das erste Mal liebten.
Auf dem Bild rollen die Wellen sanft an den Strand, lecken die kleinen Kiesel weich und machen im Wandel der Gezeiten daraus feinen Sand.
So fein wie der weiße Sand, auf dem wir lagen.
So weiß, dass er im Sonnenlicht blendet.
Aber abends gibt es nichts Schöneres, als am Strand zu sitzen und zu sehen wie die Sonne untergeht.
Wenn sie als glutroter Ball den Himmel verfärbt und dann langsam am Horizont verschwindet.
Du hast mir immer gesagt, dass du es liebtest, mit mir am Strand zu sitzen und zu sehen, wie die Sonne versinkt.
Oft haben wir die Abendsonne genossen und dann unter dem Mantel der Nacht, die uns vor fremden Blicken schützte, unsere Liebe ausgelebt.

Doch all das ist nicht mehr.
Du hast mir gesagt, dass es aus ist.
Denkst du wirklich, ich könnte meine Gefühle einfach ignorieren?
Sie sind viel zu stark, zu tief in meinem Herzen verankert.
Ich bereue nicht eine Minute, die ich mit dir verbracht habe.
Dafür war es viel zu schön…

Die ersten Tränen tropfen auf das Foto, das ich in den Händen halte.
Es zeigt dich.
Morgens.
Du schläfst noch.
Deine muskulösen Arme von dir gestreckt, die Hüfte zur Seite gedreht und leicht angewinkelt.
Über deinen Hüften liegt die Bettdecke, ansonsten bist du nackt.
Auf deiner breiten Brust zeichnen sich die Sonnenstrahlen ab.
So sah es morgens oft aus, wenn ich leise aus dem Bett krabbelte, um Frühstück zu machen und es dir ans Bett zu bringen.

Wieder wird mein Körper von einem Weinkrampf geschüttelt.
Behutsam lege ich die Fotos zur Seite und lege mich hin.
Ich werde mich wohl in den Schlaf weinen…
Weinen, weil ich dich vermisse.
Weinen, weil ich weiß, dass du nie wieder bei mir sein wirst…
Weinen wegen dir.
Weinen, weil ich dich liebe.
Weinen, weil ich dich immer lieben werde.
Weinen wegen dir.
Wegen dir.

Du, der du gerade hereinkommst, mich auf deinen Schoß ziehst und küsst.
Du, der meine Tränen wegküsst.

Halt.
Moment.
Ich muss träumen.

Ganz vorsichtig strecke ich meine Hand nach dir aus.
Du fängst sie ab und drückst sie sanft.
„Ich kann nicht ohne dich…“ Das ist alles, was du sagst.

The End

2 Kommentare »

  1. einfach nur schön. ich bin froh, dass es nicht aus ist und craig nicht ohne orlando sein kann. die beiden gehören nun einmal zusammen. also orlando, du musst dich nicht in den schlaf weinen, denn sicherlich wird dich jemand liebevoll in den schlaf wiegen. hab süße träume mit craig.

    Comment by coco — March 2, 2008 @ 6:09 pm

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