Millenium
Ein Jahr geht zuende. …
Kapitel 1
Nicht mehr lange und das Jahr wäre zuende.
Sie wollten es gemütlich und in kleinem Kreise in Elijahs Apartment in Wellington ausklingen lassen, bevor es wieder an die Arbeit am Set ging.
In kleinem Kreise hieß, dass sich ungefähr alle Leute, die sich auftrieben ließen, mit Sekt in der Hand auf dem Balkon standen und auf das nächtliche Wellington blickten. Bei genauerem betrachten war es doch recht voll auf dem verhältnismäßig kleinen Balkon.
Da waren natürlich Elijah Wood und die anderen Hobbitdarsteller, außerdem noch Orlando Bloom, Sean Bean, Viggo Mortensen, Liv Tyler, Mark Ferguson, Jørn Benzon, Craig Parker, Hugo Weaving und Bruce Hopkins.
Noch schwätzten sie gemütlich, immer die Uhr im Auge.
Man wollte ja den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen.
Einer der Anwesenden wollte den Zeitpunkt erst Recht nicht verpassen.
Und das nur aus einem Grund.
Unruhig wanderten seine braunen Augen hin und her, blieben ab und zu an einer Person hängen und ruhten schließlich wieder auf dem Objekt seiner Begierde.
Jede Gestik, jedes Lachen, jede Bewegung sog er regelrecht in sich auf.
Wenn dieses Lachen, dieses strahlende Lächeln, dieses Leuchten in seinen blauen Augen doch nur einmal ihm allein gelten würde…
Aber das war alles nur Wunschdenken.
Er würde nie das selbe Empfinden.
Dafür waren sie einfach zu unterschiedlich.
Das Gemurmel der unterschiedlichen Stimmen wurde lauter, nach und nach formten sich daraus verständliche Worte..
Zehn… Neun.. Acht.. Der Countdown fürs neue Jahr.
Langsam aber sicher näherte sich Orlando seinem Ziel.
Fünf.. Vier..
Orlando stand neben ihm.
Er sammelte seinen Mut.
Hörte, wie die geliebte Stimme zählte…
Drei.. Zwei… Eins…
Es war so weit.
Das alte Jahr war vergangen.
Er sog noch einmal tief Luft ein.
Es musste sein.
Jetzt oder nie.
Er schlang seine Arme um seinen Nebenmann.
Drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen.
Keine Reaktion.
Er konnte es immer noch darauf schieben, dass er zu viel getrunken hatte.
Seine eigenen Gefühle verleugnen….
Sollte er die Augen öffnen?
Der Wahrheit ins Gesicht blicken?
Konnte er den angewiederten Ausdruck im Gesicht seines Gegenüber aushalten?
Es ging nicht anders.
Vorsichtig öffnete er die Augen, wendete den Blick jedoch direkt ab, wagte es nicht, in das geliebte Gesicht zu blicken.
Er zog seine Arme zurück, schlich an die Brüstung des Balkons.
Das Glas Sekt in der Hand war mit wenigen Zügen geleert.
Tränen schimmerten in seinen Augen, als er auf die nächtliche Stadt hinunterblickte.
Das farbenfrohe Spektakel der funkensprühenden Raketen vermochte nicht bis in sein Herz zu leuchten.
Vielleicht sollte er sich einfach über die Brüstung des Balkons fallen lassen.
Tief genug war es ja.
Bei seinem Pech würde er es vermutlich sogar noch überleben.
Er hatte es schon einmal überlebt.
Und selbst wenn, die inneren Zweifel, das Gefühl der Leere in seinem Inneren würde ihn langsam aber sicher zerstören.
Hätte er es bloß nicht getan.
Er hatte es getan und all das, was er vermutet hatte war Wirklichkeit geworden.
Jetzt konnte er nichtmal mehr seiner Freundschaft sicher sein.
Die hatte er wohl soeben durch diese Aktion verdorben.
Eine Bewegung hinter ihm riss ihn aus seinen trüben Gedanken.
Arme schlangen sich um seinen Körper, er konnte deutlich die Wärme eines anderen Körper hinter sich spüren.
Der Atem, der ihm in weißen Wölkchen über die Schulter waberte war leicht alkoholisiert.
„Geh weg, Dom.“ Knurrte der Brite.
Spott konnte er jetzt nicht auchnoch ertragen.
Als die Person hinter ihm sanft begann an seinem Ohrläppchen zu nagen, wurde es ihm zu viel.
Schwungvoll drehte er sich um.
Blickte direkt in die Augen seines Gegenüber.
Blaue Augen.
Jene blauen Augen, von denen er so oft geträumt hatte.
Diese blickten ihn direkt und offen an.
Eine Hand legte sich auf seine Wange, wischte eine vereinzelte Träne weg.
Orlando hatte gar nicht wahrgenommen, dass er geweint hatte.
Sein Gegenüber zog ihn stürmisch an sich, suchte seine Lippen für einen kurzen Kuss, nur ein flüchtiges Berühren ihrer Lippen.
Mehr…
Der Brite wollte mehr.
Die Lippen kehrten zurück, diesmal liebevoll, neckend.
Mit einem ergebenen Seufzen ließ Orlando sich in den Kuss fallen, suchte die Nähe des anderen.
Die Zeit schien still zu stehen.
Alles andere war unwichtig.
Er schwor einen heißen Tanz ihrer Zungen herauf, wollte ihn nie wieder loslassen.
Als der Kiwi sich von ihm löste öffnete Orlando die Augen, suchte nach denen seines Gegenüber.
Diese öffneten sich just in diesem Moment, blickten ihn zärtlich an.
Die eine Hand seines Gegenüber strich ihm noch immer sanft über die Wangen, die andere hatte sich bereits ihren Weg unter die Jacke des Briten gebahnt, streichelte ihn sanft am Rücken.
Sanft stupste er die Nase des jüngeren mit seiner eigenen an.
Dann lehnte er sich vor, flüsterte ihm liebevolle Worte ins Ohr.
Hätte er es nur früher gewusst.
All diese Monate des Zweifelns.
Hätte er nur früher etwas getan.
Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte den jungen Briten, als er realisierte, was grade geschehen war.
Er hatte es getan.
Er hatte den Mann seiner Träume geküsst.
Und dieser hatte ihn geküsst.
Er griff nach Craigs Hand, drehte sich abermals zur Stadt, betrachtete das Feuerwerk.
Hinter ihm stand der Mann seiner Träume, legte seine Arme um den Körper des Briten, welcher sich an ihn schmiegte.
Schweigend betrachteten sie das Spektakel, dass sich vor ihnen abspielte, ihre Finger ineinander verhakt, wollten einander nie wieder loslassen.
The End

