Ring*Con-Blues
Gary-Stu - Warnung: Nicht allzu ernst nehmen ;-) - Teil 1 der Serie “JeanK I”

Kapitel 1
Völlig erschöpft saß Dave im großen Saal. Die Con war fast vorüber und er ließ die letzten Tage Revue passieren. Donnerstags war er angereist in der Hoffnung Craig vor dem Trubel zu sehen. Sein Ausharren in der Bar blieb erfolglos. Auch am Freitag hatte er keinen Erfolg. Erst als er in der Autogrammstunde vor ihm stand. Dave nahm seinen ganzen Mut zusammen und legte ihm ein Foto vom Winterfestival hin. Auf dem Bild waren beide zu sehen, mit verknoteten Schiern und jede Menge Schnee in den Hosen. Dave hatte die Frechheit gehabt in Craig hineinzufahren. Damals kannte er ihn noch nicht einmal. Ein Freund, der auch dieses peinliche Bild gemacht hatte, klärte ihn auf.
“Was? Du kennst Craig Parker nicht? Wo lebst Du denn?”
Mit zitternden Fingern legte er das Foto auf den Tisch. Craig zückte automatisch seinen Stift, dann hielt er inne. Er hob den Kopf und schaute Dave direkt in die Augen. Der schluckte und verfluchte sich selbst, daß er ausgerechnet dieses Bild mitgebracht hatte. Doch Craigs Lippen verzerrten sich zu diesem liebenswerten Lächeln.
“Das hat ganz schön wehgetan. Ich bin die blauen Flecken ewig nicht losgeworden.”
“Es tut mir so leid!”
“Schon gut, ich hab’s ja überlebt. Schön, dich wieder zu sehen. Wieso bist du mir danach die ganze Zeit ausgewichen?”
“Es war mir peinlich, außerdem hab ich mir dabei die Hand verstaucht.”
Craig schaute ihn mitleidig an. Daraufhin schlug Dave verlegen die Augen nieder. Er nahm sein Bild entgegen und verließ fast schon fluchtartig den Saal. Die abendliche Party mied er. Es hätte sowieso nicht viel Sinn gehabt. Wäre Craig da, könnte er sich nicht einmal mit ihm unterhalten. Erst heute früh hatte er ihn wieder gesehen. Als er sich auf den Weg zur Autogrammstunde machte. Mutig lächelte Dave ihn an, doch Craig schaute ihm nur kurz in die Augen und wandte sich dann von ihm ab. Völlig verwirrt stand Dave im Gang. Was hatte er jetzt wieder falsch gemacht.

Traurig kramte er in seiner Tasche herum. Das Autogramm fiel ihm in die Hand. Er hatte es noch nicht einmal angesehen. Vorsichtig zog er es aus der Hülle und erstarrte. Auf dem Bild war nicht Craigs üblicher Schriftzug zu sehen, sondern eine Telefonnummer. Jetzt wurde Dave einiges klar. Verärgert über sich selbst, holte er sein Handy heraus. Gerade als er wählen wollte ging das Licht aus. Die Closing Ceremony begann. Na, jetzt brauchte er ihn auch nicht anzurufen.

Endlich war es vorbei. Dave stolperte durch die Lobby, versuchte gleichzeitig zu wählen. Dann sah er wie Craig und die anderen das Hotel verließen. Draußen warteten sie auf den Wagen. Langsam schlich sich Dave an. Plötzlich versperrte ihm jemand den Weg. Es war einer von Craigs Aufpassern.
“Wage es ja nicht, dich ihm zu nähern,” knurrte er.
Eingeschüchtert zog sich Dave zurück. In der Bar genehmigte er sich erstmal einen Drink.

Mit seinen Kräften am Ende lehnte Craig am Fenster des Autos. Eigentlich wollte er in sein Bett, doch das Dinner war Pflicht. Er konnte es immer noch nicht fassen, daß er den Kerl getroffen hatte, der ihn in Neuseeland über den Haufen gefahren hatte. Sie hatten sich aufgerappelt und gegenseitig den Schnee abgeklopft. Er konnte sich noch gut an das verlegene Lachen erinnern, an die dunklen Augen. Niemals hätte er geglaubt, daß er sich so plötzlich zu jemand hingezogen fühlen könnte. Und noch weniger, daß er ihn am anderen Ende der Welt wieder sehen würde. Er kannte nicht mal seinen Namen. Innerlich schalt er sich dafür, daß er ihm einfach seine Nummer aufgeschrieben hatte. Wie blöd. Natürlich hatte er nicht angerufen. Lächerlich hatte er sich gemacht. Der arme Kerl, eine Telefonnummer anstatt eines Autogramms. Craig war so mit sich selbst beschäftigt, daß er nicht hörte, als Mark ihn ansprach.
“Hm?”
“Träumst du?”
Craig verzog das Gesicht und nickte.
“Willst du reden?”
Daraufhin schüttelte er den Kopf. Das war ihm zu peinlich.

Nach einigen Stunden war das Dinner endlich vorbei. Tapfer hatte Craig durchgehalten. Er beschloß sich zu betrinken, was ihm auch recht gut gelang. Als er sich schließlich zurückzog, bemerkte er nicht, daß er den Aufzug zu früh verlassen hatte. Er stand vor seiner vermeintlichen Tür und wunderte sich warum das Lesegerät seine Karte nicht annahm. Plötzlich öffnete sich die Tür und er schaute in dunkle Augen. Dave dachte nicht nach, er handelte einfach und zog Craig in sein Zimmer. Wie die Wilden fielen sie übereinander her. Sie rollten über das Bett, innige Küsse, Hände, die den Körper des Anderen erforschten. Schließlich schubste Dave Craig von sich.
“Nein, das geht nicht.”
Craig brummelte nur beleidigt und versuchte sich wieder auf Dave zu legen. Der rutschte vom Bett.
“Laß das, du bist betrunken.”
“Wegen dir.”
“Häh?”
Dave verstand gar nichts mehr. Inzwischen setzte sich Craig auf und lehnte sich an das Kopfteil des Bettes.
“Du hast nicht angerufen. Ich hab schon gedacht, ich hab mich lächerlich gemacht. ”
“Ich hab erst heute bemerkt, daß du mir deine Nummer aufgeschrieben hast.”
Dave setzte sich zu Craig und schaute ihn an. Der streckte die Hand aus, um durch die blonden Haare zu streichen. Langsam beugte er sich nach vorne und küßte sanft die Lippen seines Gegenübers. Doch Dave zog sich zurück.
“Das geht mir zu schnell.”
“Ich kann nicht wart… Wie heißt du eigentlich?”
Erst jetzt erinnerte sich Dave, daß er sich nie vorgestellt hatte. Er lachte.
“Dave.”
“Hi, Dave, ich bin Craig.”
Gemeinsam brachen sie in schallendes Gelächter aus. Wieder strich Craig durch Daves Haare. Sie fühlten sich so weich an.
“Sag mal, sind die echt blond?”
“Nein, ich wechsle meine Haarfarbe ständig.”
“Als du in mich über den Haufen gefahren hast waren sie auch blond.”
“Dann wiederholt sich der Zyklus.”
“Was muß ich tun um deine Originalfarbe herauszufinden?”
“Nicht viel, sie sind Matschbraun.”
Dave grinste ihn breit an, dann fiel sein Blick auf die Uhr. Es war bereits halb vier.
“Hör mal, ich bin ja echt froh, dich endlich kennen zu lernen, aber ich bin sehr müde.”
“Oh, ok.”
Craig stand auf und begann sich auszuziehen. Fassungslos starrte Dave ihn mit offenem Mund an. Als sich Craig zu ihm ins Bett legte, erstarrte er.
“Was ist? Ich dachte du willst schlafen?”
Craig hob die Decke hoch und grinste einladend. Kopfschüttelnd kroch Dave zu ihm. Er schmiegte sich an ihn, kräftige Arme umfingen seinen Körper. Glücklich fiel er in einen tiefen Schlaf und hoffte, daß das alles kein Traum war.

The End

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