Frau gesucht
„Oh man, das darf doch nicht wahr sein. Wann endlich willst du es ihm sagen? Wann sagst du ihm, dass du ihn noch immer liebst? So kann es doch nicht weitergehen, das frisst dich doch innerlich auf.“

Kapitel
- Sie sollte etwa 1,70m groß und schlank sein, viel Humor haben, und mit einer starken Persönlichkeit umgehen können. Außerdem sollte sie mit einer Fan-Gemeinde kommunizieren können und nicht eifersüchtig sein -

„Noch was?“, fragte ich den Mann, der neben mir auf dem Sofa saß und gespannt auf den Bildschirm meines Notebooks sah. „Nein, ich glaube das war alles. Meinst du, dass sich jemand darauf meldet?“, zweifelnd sah er mich an und ich grinste. „Ja, warum denn nicht. Du bist ein netter Kerl, aufgeschlossen und lustig. Außerdem kennt dich das halbe Land.“

Noch waren nicht alle Zweifel aus seinem Gesicht verschwunden und seine blauen Augen sahen mich fragend an. Ich dachte an die Zeit zurück, die ich mit ihm bis jetzt verbracht hatte.

Vor ein paar Jahren waren wir selbst ein Paar gewesen, hatten uns aber auseinander gelebt, irgendwie. Ich kann auch nicht mehr sagen warum. Liebe war bei uns nie der Punkt gewesen und seine Bekanntheit auch nicht. Ich wusste nicht, warum es damals nicht funktioniert hatte, doch wir waren gute Freunde geblieben.

Craig sah mich noch immer an und als sich unser Blick traf, sahen wir beide weg. Er räusperte sich verlegen und ich sah wieder auf den kleinen Bildschirm vor mir. „Also kommt nichts mehr hinzu? Nein? Gut, dann schick ich es ab und am Samstag erscheint es dann in der Zeitung bei den Kontaktanzeigen.“

„Danke, Kathy. Ich werde dann mal wieder gehen, ich muss mich noch für die Show für morgen nachmittag vorbereiten. Du weißt ja wie das ist. Gehen wir am Sonntag zusammen essen?“ Während sich Craig die leichte Jacke überzog, nickte ich und wir vereinbarten eine Zeit, wann er mich abholen sollte.

„Machs gut Kleine, bis Sonntag dann.“ Er hauchte mir einen Kuss auf die Wange und verschwand dann mit eiligen Schritten aus meinem Wohnzimmer. Dann hörte ich das Zuschlagen der Tür und weg war er.

Tränen traten mir in die Augen und ich ließ mich in die weichen Polster sinken. Damals mit ihm, das war eine wunderschöne Zeit gewesen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann liebte ich ihn immer noch, noch immer war er ein Teil von mir und hatte nach wie vor ein Platz in meinem Herzen. Jeden Mann, den ich dann in der folgenden Zeit traf, verglich ich mit ihm, doch schnell musste ich feststellen, dass keiner ihm das Wasser reichen konnte. Ich war verzweifelt, was sollte ich nur tun?

Ich öffnete mit fahriger Hand mein Email - Account und überflog die letzte Mail. Es war die Bestätigung der Zeitung, mit einer Zusammenfassung und dem nochmaligen Wortlaut meiner, nein seiner, Anzeige. Was wäre, wenn sich nun eine Frau darauf meldete, was wäre, wenn er sich in sie verlieben würde, oder gar heiratet? Daran mochte ich nun gar nicht denken…

Meine Gefühle für ihn würden mich noch eines Tages auffressen. Schon vor ein paar Wochen, als er von einer Convention nach Hause kam und er fröhlich verliebt erzählt hatte, das er da jemanden kennen gelernt hatte, war ich mit einem Weinkrampf zusammengebrochen. Ich brauchte danach einige Tage, bis ich mich wieder erholt hatte und ich ihm wieder gegenüber treten konnte.

Ich brauchte jetzt jemanden zum Reden! Ich tippte die Nummer von Kristin ein und lauschte gespannt, wer sich am anderen Ende meldete. Vor einiger Zeit hatte sie ihren Traumtyp von einer bekannten Band geehelicht und war mehr als glücklich mit ihm. „Ja, hallo?“ Ihre Stimme klang weich in meinen Ohren und ich musste schniefen. „Krisi, hier Kathy, hast du einen Moment Zeit für mich?“ Ein langes Ausatmen am anderen Ende folgte.

„Ja klar, erzähl, was hast du auf dem Herzen Süße?“ Ich fing an zu erzählen, erst stockend, dann nach und nach immer flüssiger. Alles was sich angestaut hatte, in all der Zeit, kam nun heraus und zum Schluss siegten die Tränen über meine Augen. „Krisi, ich weiß nicht mehr weiter! Was soll ich nur tun? Was ist, wenn sich auf die Anzeige hin jemand meldet?“

„Das musst du mir genauer erklären, was für eine Anzeige meinst du?“ Nun erzählte ich ihr auch das, was Craig und ich die letzten zwei Stunden hier zusammen getan hatten. „Oh man, das darf doch nicht wahr sein. Wann endlich willst du es ihm sagen? Wann sagst du ihm, dass du ihn noch immer liebst? So kann es doch nicht weitergehen, das frisst dich doch innerlich auf.“

Zu zweit dachten wir über die Sache nach, doch nach zwei Stunden gaben wir es auf, und mit vielen Küsschen und vielem Geknuddel legten wir dann auf. Wie verloren saß ich auf meinem Sofa, sah mich um und entdeckte so vieles, was mich an ihn und unsere Zeit zusammen erinnerte. Ich knipste das Licht aus und ging nach oben. Doch auch als ich in meinem Bett lag, stellte sich der Schlaf nicht ein.

Meine Gedanken kreisten um ihn. Bilder aus der Vergangenheit tauchten wieder auf, schöne Bilder, die viel Liebe und Geborgenheit ausstrahlten. Aber auch Bilder, die ich vergessen wollte, und doch nicht konnte, weil ich sie tief in meinem Herzen versteckt hielt. Auch dieses Bett hier hatte seine eigene Geschichte. Ich hatte es damals neu gekauft und eine Freundin half mir, es vom Speditionswagen herunter zu heben.

Ein Nachbar kam hinzu, packte mit an und als sich zum ersten Mal unsere Blicke trafen, war es um mich geschehen. Ich versank in unersättlichem Blau, ein Blau, wie ich es noch nie gesehen hatte. „Hallo, ich bin Craig, Ihr Nachbar. Ich wohne gleich dort über die Straße. Wohin soll denn das gute Stück?“

Ich war ganz perplex, ich wusste wen ich da vor mir hatte, doch glauben konnte ich es noch lange nicht. Ich war zu der Zeit eine der Redakteurinnen einer großen Zeitung dieses Landes und da kannte man alle wichtigen Leute. Er sah mich noch immer fragend an und ich wies ihm mit dem Kopf den Weg. „Dort hinauf, gleich die erste Tür…“

Zu dritt trugen wir das Rattanbett nach oben und als es dann an Ort und Stelle stand, sagte er leise: „Ein schönes Haus, und ein noch bezaubernder Inhalt. Guten Abend, die Damen.“ Damit drehte er sich um und verließ uns. Seit diesem Abend war es um mich geschehen.

An all dies dachte ich, während ich nun einsam in eben jenem Bett lag. Ich sehnte mich nach ihm, nach seiner Wärme und Geborgenheit, nach seinem warmen Körper und seinen zarten Händen. Ich fühlte förmlich, wie sie über meine Haut strichen, wie sie Regionen erkundeten, von denen ich nie geglaubt hatte, dass sie so sensibel waren.

Mir wurde heiß und kalt zu gleich und als ich die ersten Wellen in mir spürte, fing ich an zu weinen, während der Höhepunkt mir die Luft zum Atmen nahm.

Total verkatert wachte ich am nächsten Morgen auf, mein Kopfkissen war klamm und kalt, und meine Bettwäsche total zerwühlt, wie so oft, in den vergangenen Tagen. Ich machte mir in der Küche einen starken Kaffee und überlegte, was ich heute machen wollte. Es war Freitag und noch immer hatte ich Urlaub. Als ich eine kleine Spinnwebe oben an der weißen Decke entdeckte, kam mein Putzwahn zum Vorschein.

Den ganzen lieben langen Tag schuftete ich bis zum Umfallen. Vieles putzte ich zwei Mal, weil ich der Meinung war, das es nicht sauber genug sei. Außerdem brachte es mich auf andere Gedanken. Nicht weit von hier, saß ein Kerl in seinem Sessel und übte seinen Text.

Ich rief mich zur Ordnung, und füllte meinen Wassereimer erneut. Als ich diesen dann in die Ecke stellte, war es später Abend. Ich hatte Hunger, denn ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Ich aß eine Kleinigkeit, ließ mir warmes Wasser in die große Wanne ein und setzte mich zaghaft hineingleiten.

Ich schloss die Augen und sah sofort wieder ihn. Ich wurde ihn einfach nicht los. Doch wollte ich es denn überhaupt? Kam es denn auf meine Wünsche und Bedürfnisse an? Nein, denn ich wusste, das Craig sich eine neue Frau suchen wollte und mit ihr endlich eine Familie gründen wollte. Ich war da fehl am Platze…

Ich schleppte mich zum Bett hinüber, wickelte das Badehandtuch von mir ab und ließ mich einfach so zwischen die Decken gleiten. Ich war so erschöpft von meiner Putzerei, das ich sofort einschlief. Erst am Samstag nachmittag erwachte ich wieder, doch mir tat alles weh. Trotzdem zwang ich mich aufzustehen, mir einen Kaffee zu kochen und mir ein Brötchen zu machen.

Mit kauendem Mund holte ich dann meine Zeitung und blätterte sie eher lustlos durch. Bei den Privatanzeigen blieb dann mein Blick hängen. Da stand sie, schwarz auf weiß, die Anzeige, die ich mit ihm zusammen geschrieben hatte. Mein Puls sprang hoch, mein Herz raste, als ich daran dachte, wie viele Frauen darauf wohl schreiben würden. Mit einem Wisch fegte ich das Blatt hinfort und ging hinab in den Keller.

Ich reagierte mich dort grünlich an meinen Fitnessmaschinen ab, später dann lief ich noch 15 Meilen auf dem Laufband. Schwer atmend kam ich schließlich zur Ruhe und brach wieder in Tränen aus. Ich würde ihn verlieren, so der so…

Es war fast Mitternacht, als ich unter der Dusche stand und mir Tränen und Schweiß abspülte. Warum konnte ich jetzt nicht einfach tot umfallen? Warum konnte mich jetzt hier und gleich nicht der Blitz treffen? Wieder weinte ich mich in den Schlaf…

Der Sonntag kam und ging und ich bekam es nicht mit. Ich hatte das Schlafzimmer abgedunkelt, mir etwas zu essen und zu trinken geholt und eine DVD in den Recorder eingelegt. Doch das wurde mir irgendwann zuviel. Ich musste hier raus und zwar sofort. Ich zog mich an, band mir die langen Haare zusammen und schlenderte in der Abenddämmerung ein wenig durch den nahegelegenen bewachten Park. Doch auch hier hielt ich es nicht lange aus, denn auf Schritt und Tritt begegneten mir verliebte Pärchen.

So ging ich wieder heim, machte jedoch einen kleinen Umweg, um zu sehen, ob Craig wohl daheim wäre. Doch auch hier Fehlanzeige, denn es war alles dunkel bei ihm. Ob er aus war? Hatte er denn schon eine Antwort von einer Frau bekommen? Saßen sie womöglich bei einem tollen Essen zusammen und tranken gerade einen Schluck Wein?

Oh Gott, wo sollte das nur noch hinführen mit mir? Die eine Seite in mir riet: ‚Sag es ihm, vielleicht gibt es noch eine Chance für euch, lass ihn dir nicht wegnehmen’ doch die andere Seite sprach: ‚Wie blöd bist du eigentlich? Was soll er denn mit dir, es hat doch schon mal nicht geklappt. Eine andere Frau wäre ohnehin besser für ihn. Sieh dich doch mal an, siehst aus wie ein Hausmütterchen, dabei hat er was viel schärferes verdient.’

Es war ein stetes Hin und Her, doch die eine Stimme hatte Recht - ich musste dringend etwas an mir ändern. Ich sah auf die Uhr, oh Gott, schon so spät? Ich beeilte mich nun, und lief im Laufschritt nach Hause. Das Essen mit Craig! Ich hatte es fast vergessen. Schnell unter die Dusche, dann abtrocknen und was Passendes zum Anziehen gefunden.

Mein Blick fiel auf ein wunderschönes dunkelblaues Abendkleid in einer etwas längeren Form. Ich wusste, dass es Craig gefallen würde, denn er selbst hatte es mir einst geschenkt. Also, raus damit und hinein mit mir. Moment, das Höschen noch, so, auch fertig. BH? Nein, brauchte ich nicht, ohne sah es viel besser aus.

Das Haar steckte ich nur an den Seiten hoch und ließ es lang und wellig auf den Rücken fallen. Doch wo waren nur meine Pumps? Und etwas Schminke brauchte ich auch noch! Die zarten Schühchen fanden sich recht schnell und das Make-up dauerte keine zehn Minuten. Craig mochte nicht zu viel davon.

So, fertig und ich sah dazu noch recht passabel aus, wie ich fand. Warum muss jetzt eigentlich noch das Telefon klingeln? „Ja bitte?“ Ungeduldig wartete ich auf eine Antwort. „Ich bin’s Krisi. Störe ich dich gerade?“ Oh nein, nicht gerade jetzt… „Ähm nein, du störst nie, ich mach mich gerade fertig. Ich werde dann gleich zum Essen abgeholt.“ Stell nun bloß nicht die Frage. „Darf ich fragen mit wem du ausgehst? Oder ist es ein Geheimnis?“

„Nun Krisi, es ist… Craig. Ich weiß was du jetzt sagen wirst, aber es ist nicht so wie du denkst. Er will bestimmt nur mit mir die Antworten auf die Anzeige durchgehen, also nichts Besonderes.“ Es klingelte an der Haustür. „Ich muss Schluss machen, er ist da. Bye Süße.“ Noch bevor sie ihren Senf dazu geben konnte, hatte ich aufgelegt.

Ich kannte ihren Standpunkt dazu schon in und auswendig, aber konnte ich zu ihm sagen: ‚Hey Craig, ich liebe dich noch immer, wollen wir es nicht noch mal probieren?’ Nein, das war nun wirklich nicht mein Ding, aber gesagt hätte ich es schon ganz gern…

Ich öffnete freudestrahlend die Tür, doch zu sehen war niemand. Weiter unten die Strasse hinab sah ich ein paar Kids davon laufen, aha, Klingelpartie, oder so. Craig war nun seit über zehn Minuten überfällig und ich tigerte hin und her. Fast schien es mir so, als hätte ich eine Art von Trampelpfad in meinem Haus, vom Wohnzimmerkamin bis zur Küchenspüle und wieder zurück.

Aus den zehn Minuten wurden dreißig Minuten. Ich zog mir die hohen Schuhe aus und rieb mir die Füße. Er kommt nicht mehr, er kommt nicht mehr, er kommt nicht mehr, das war mein einzigster Gedanke. Nach einer Stunde gab ich es auf, ich ging wieder nach oben und zog mich um und schminkte mich ab. Mir war zum heulen zumute.

Im Wohnzimmer goss ich mir ein Glas Whiskey ein und schlürfte es in kleinen Schlucken, doch der hartnäckige Gedanke des Versetztwerdens wollte nicht weichen. Irgendwann war ich so weit, das ich gleich aus der Flasche trank und die Erde anfing, sich um mich zu drehen…

Der nächste Morgen war mehr als schrecklich, er war furchtbar. Mein Kopf beherbergte einen einzigen Bienenschwarm und noch einen kleinen Presslufthammer dazu. Ich schluckte drei Aspirin zum Frühstück mit einer Tasse Kaffee hinunter, die dann auch nach ein paar Minuten anfingen zu wirken. Danach lüftete ich die Räume, denn der Geruch des Whiskeys war allgegenwärtig. Ich entsorgte die leere Flasche im Küchenmüll und ging duschen.

Die Haustürklingel schlug an und missmutig öffnete ich sie. Ein Blumenstrauß kam mir entgegen und als ich mich da durch gekämpft hatte, kam auch Craigs Gesicht zum Vorschein. Ich wandte mich ab und ging grußlos wieder nach oben, denn ich wollte mich wenigstens fertig anziehen. Ich ließ mir Zeit dabei und ging dann wieder nach unten.

Craig saß in der Küche und sah aus wie ein begossener Pudel. „Es tut mir leid, Kathy, wirklich. Gestern vormittag rief mich eine junge Dame an, die sich gleich mit mir treffen wollte, wegen der Anzeige und so. Doch es hat länger gedauert als geplant und als ich dann am späten Abend bei dir vorbei gegangen bin, war schon alles dunkel, da wollte ich dich auch nicht mehr stören. Es tut mir leid. Wirklich! Können wir das irgendwann nachholen?“

So wie er mich mit diesem Dackelblick jetzt ansah, konnte ich unmöglich nein sagen und sagte natürlich seufzend „Ja.“ Er schien erleichtert, ich nicht, denn das, was ich gerade gehört hatte, bestätigten meine schlimmsten Ängste. Er traf sich mit einer anderen Frau…

Ich nahm mir noch einen Kaffee und bot ihm auch einen an, den er auch dankbar annahm. „Was trägst du da mit dir rum? Sag nicht, das dass bis jetzt alle Antworten sind…“ Ich deutete auf die gut gefüllte Plastiktüte neben ihm und er nickte nur. Ich schluckte hart, während er meine Reaktion beobachtet.

„Na dann, zeig mal her!“ Er schüttete seine Wundertüte aus und zahlreiche Briefe kamen mir entgegen. Das große Wühlen begann. Craig sah sich die beigelegten Fotos an. „Zu blond, zu rot, zu schwarz, zu große Augen, zu kleine Nase, zu volle Lippen.“ So ging es in einer Tour, bis er ein Foto in den Händen hielt und nichts sagte, er starrte es nur an.

„Und? Was ist mit der die du da gerade hast?“ Er schien zu überlegen, dann musterte er mich. „Perfekt, genau das was ich suche. Brünett, langes Haar, sinnliche Lippen, schöne Nase.“ Ich war perplex, die Beschreibung hätte auch die meine sein können. „Na dann frag sie doch gleich nachher mal, ob du sie zum Essen ausführen kannst. Oder noch besser in das neue Weinlokal, das ein paar Straßen weiter aufgemacht hat, soll sehr exquisit dort sein. So wie du darauf schaust, muss es ja die Frau fürs Leben sein. Nur Mut, die beißt bestimmt nicht…“

Ich wühlte ein wenig weiter, doch Craigs Blick haftete noch immer auf mir. „Was ist?“, fragte ich ihn und las in einem der Briefe. Oh man, die hier wollte gleich ein Kind von ihm… „Darf ich dich für Morgen in das Weinlokal bei uns um die Ecke einladen? Ich habe gehört, es soll dort sehr exquisit sein.“ Ich sah auf und ihm direkt in die Augen. Was hatte er mich da eben gefragt?

„Du sollst nicht mich einladen, sondern die Frau dort auf dem Bild. Die hat es dir doch angetan, gib es ruhig zu.“ Er schwieg einen Moment. „Das stimmt, sie hat es mir auf Anhieb angetan. Ich würde sogar sagen, das ich mich ein bisschen in sie verliebt habe.“ Er blieb ernst und sah mich an. Seine Hände drehten das kleine Bild um und ich musste zwei Mal hinsehen, um zu erkennen, das dass ja ich war, die dort vom Bild mich anlächelte. Ich hatte einen Klos im Hals…

Jubel brach in mir aus. „Ich meine es ernst damit, Kathy. Ich liebe dich noch immer, bitte, ich möchte dich nochmals kennen lernen dürfen. Ich möchte gern in deiner Nähe sein. Ich möchte alles mit dir teilen. Bitte sag ja.“ Ich war nicht fähig zu atmen, nicht fähig zu denken, geschweige denn irgendetwas zu sagen. Doch irgendwie kam es dann doch raus.

„Ja, Craig, ich komme gern mit dir, denn auch meine Liebe zu dir war nie ganz erloschen.“ Er schien nur auf diese Worte gewartet zu haben, er beugte sich über den Tisch und gab mir einen langen Kuss. „Ich brauch jetzt was zu trinken“, sagte ich leise und Craig holte aus der Bar eine Flasche Champagner.

Unterdessen sah ich mir den Umschlag genauer an, in dem mein Foto steckte. Ich erkannte die Handschrift sofort und sagte leise: „Na warte Krisi, das zahl ich dir heim.“ Craig stellte sich hinter mich, reichte mir das Glas und sagte ebenso leise: „Danke Krisi. Du hast was gut bei mir. Danke, das du mich mit der Nase darauf gestoßen hast, ich hätte sie damals erst gar nicht gehen lassen sollen.“

Ich stand auf, wandte mich ihm zu und sah ich an. Jetzt, da ich ihm so nah war, fühlte ich es wieder. Liebe, Vertrauen und Geborgenheit, das war alles, was ich brauchte und nun hatte ich es wieder gefunden, ein Teil meines Herzens war wieder da und sehnsüchtig sah ich in die Zukunft…

Craigs Handy klingelte. „Ja, Parker hier!“ Er lauschte gespannt. „Ja, der bin ich, aber wer sind Sie?“, wieder sah er angestrengt in die Ferne. „Das freut mich ungemein, ja in vier Tagen kann ich dort sein. Wir sehen uns dann dort, bis bald, Mister Jackson…“ Er legte auf und sah gedankenverloren in die Ferne. Dann ging er zu meinem Bücherregal hinüber, nahm Tolkiens Band „Der Herr der Ringe“ raus und fragte mich: „Kann ich mir das mal ausleihen?“

Ich nickte nur und er fragte: „Wäre dir ein Elb auch recht?“ Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte und meinte nur trocken: „Ich denke mal, das du als Elb ganz gut aussehen würdest, warum fragst du?“ Er sah mich schmunzelnd an, kam auf mich zu, schlang seine Arme um mich, zog mich eng an sich heran und wisperte in mein Ohr:

„Für die nächsten drei Jahre hast du ein Elb zum Freund…“ Ich konnte es nicht fassen, er hatte tatsächlich die Rolle des Haldirs bekommen, die einer meiner Lieblingscharaktere im Buch war. „Na dann, Elb, lass uns schlafen gehen…“ Ich nahm ihn an der Hand und zog ihn widerstandslos mit mir.

The End

Noch keine Kommentare »

Noch keine Kommentare.

RSS Feed für diesen Eintrag. TrackBack URL

Kommentar hinterlassen




© Hidden Whispers 2004-2010 | Powered by WordPress