Neubeginn
Resüme über eine Freundschaft.

Was hatte sich geändert?
Wann hatte es sich geändert?
Wieso kannst du mir nicht mehr in die Augen sehen?

Ich habe die Veränderungen nicht wahrgenommen…
Oder habe ich sie nicht wahrnehmen wollen?

Was ist aus unserer Freundschaft geworden?

Wir kennen uns schon eine halbe Ewigkeit. Du warst damals der beliebteste Junge in der Gegend und ich die Range, mit der keiner fertig wurde - außer dir. Früher haben wir zusammen ständig irgendwelchen Unfug angestellt, zusammen gelacht, geweint und alle Sorgen und Freuden mit dem anderen geteilt.

Doch seit einigen Monaten sehen wir uns kaum noch und wenn, bist du distanziert, höflich und wir erzählen uns nur noch Belanglosigkeiten und von der alten Vertrautheit ist nichts mehr zu spüren. Seit wann können wir nicht mehr miteinander reden?

Seit wann kannst du mir nicht mehr in die Augen sehen?
Seit wann wirken deine Augen so leer?
Wo sind die leuchtenden Sterne darin hin?

Ich beginne mir Sorgen zu machen, doch du lässt mich nicht an dich heran. Sagst immer, es ist alles in Ordnung. Doch das ist es nicht. Warum zittert dann deine Hand, wenn du sie mir gibst, oder wenn du mich ungewollt berührst? Warum irrt dein Blick ziellos umher, nur damit er nicht auf mich trifft?

Verliere ich nach meiner ersten großen Liebe auch noch meinen besten Freund?
War es nicht schon schwer genug für mich dich nicht lieben zu dürfen?
Warum willst du nun auch noch unsere Freundschaft beenden?

Mein Blick fällt auf das Bild, auf unser Bild, unser Abschlussball. Damals hatte ich gelernt zu akzeptieren, dass du mich niemals lieben würdest. Ich hatte das von dir angenommen, was du mir angeboten hattest – deine Freundschaft. Und nun soll ich die auch noch aufgeben?

Ich will wissen warum?
Flehend sehe ich dich an, doch wie immer ist dein Blick leer und weicht mir aus.
Stur stelle ich mich vor dich.
Ich werde nicht kampflos unsere Freundschaft aufgeben.

Du stehst auf und versuchst mich beiseite zu schieben, wie ein lästiges Insekt, doch wieder zittert deine Hand und total verunsichert schaust du zwischen deiner Hand und mir hin und her. Als hättest du dich verbrannt ziehst du sie blitzschnell zurück und vergräbst sie, zu einer Faust geballt, in deiner Hosentasche.

Wieder versuchst du an mir vorbei zukommen, doch ich stelle mich immer wieder zwischen dich und die Tür. Ich will eine Antwort! Sofort! Das erste Mal seit Wochen trifft mich dein Blick und ich zucke zurück. Er ist voller Pein und Angst. Unter Schock lasse ich dich vorbei und wieder läufst du vor mir davon.

Ich kann dir nur hinterher sehen. Ich verstehe es immer noch nicht. Du bist für mich der stärkste Mensch der Welt und doch hast du so eine Furcht, dass du es niemanden erzählen kannst?

Ich laufe dir hinterher. ‚Wer hat dir das angetan’, frage ich dich.
Dein schmerzvoller Blick trifft mich und ich weiß, was du gleich sagen wirst.

„Du!“

Verständnislos sehe ich dich an.
Ich verstehe es nicht.

Du scheinst einen inneren Kampf auszufechten. Doch plötzlich scheint dir etwas klar geworden zu sein. In deine Augen tritt das erste Mal seit Wochen wieder ein Lichtschein.

Du nimmst mich in den Arm, ich spüre wie du am ganzen Körper zitterst und vorsichtig legen sich deine Lippen auf meine. Wir vergessen die Welt um uns. Erst als meine Hand unter dein Hemd wandert, trifft mich dein klarer Blick.

„Wenn du das tust gibt es kein Zurück mehr“, warnst du mich. Und wieder sehe ich die Angst in deinem Blick, doch diesmal verstehe ich sie.

„Ich weiß Craig!“ Und dann tue ich das, wovon ich seit sieben Jahren Nacht für Nacht träumte.

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Ich sehe auf unser Bild…unser Hochzeitsbild und ich sehe deine geliebten Augen, in denen wieder die Sterne funkeln.

Wir leben wieder unsere alte Freundschaft, nur haben wir sie um ein Geschenk bereichert, na ja… sagen wir um zwei.

Geschenk Nummer eins ist.. die Liebe, die uns jeden Tag aufs Neue erfüllt.
Geschenk Nummer zwei, unser Sohn, der jauchzend in deinen Armen liegt und deine Augen hat.

The End

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