Nur ein Traum?
Es geht um Falathwen. Ich dachte mir, dass ich mit ihr am besten anfange, aber es werden sicher noch mehr Sidestorys folgen. Es gab ja genug Figuren, die ich noch genauer beleuchten kann. // Dies ist eine Sidestory zu Elronds Geburtstag’! - Teil der Serie “Elronds Geburtstag” …
Kapitel 1
Es hatte alles so echt gewirkt.
Er stand auf einer Mauer umgeben von seinen Kameraden. Alle schienen kampfbereit auf etwas zu warten. Doch es war zu dunkel um etwas zu erkennen. Plötzlich fing es an zu regnen, doch keiner schien das zu bemerken. Jeder stand stumm da und wartete. Wie die Ruhe vor dem Sturm.
Und auf einmal fing der Sturm tatsächlich an zu wüten. Es waren Orks und andere bösartige Kreaturen. Mir blieb fast das Herz stehen. Es war alles so real. Doch konnte ich nur zuschauen. Ich konnte ihnen nicht helfen. Nicht zur Seite stehen.
Alle verteidigten sich, als gäbe es kein Morgen. In Anbetracht dessen, dass der Feind, der meine Freunde, denn einige erkannte ich tatsächlich wieder, angriff, deutlich in der Überzahl war, war das kein Wunder.
Was mich allerdings wunderte, dass Menschen und Elben zusammen Seite an Seite kämpften. Das war schon seit, ja seit dem letzten Bündnis nicht mehr geschehen. Es musste ein wirklich starker Feind sein, gegen den sie alle antraten.
Die Orks hatten es jetzt schon geschafft ihre Leitern an den Wall zu legen und daran hochzuklettern. Die Elben steckten automatisch ihre Bögen weg und griffen nach ihren Schwertern.
Auch ein Zwerg trat plötzlich in mein Sichtfeld. Ein Zwerg unter Elben? Er schien aber denselben Feind zu haben, denn er knöpfte sich einen Ork nach dem anderen vor.
Jetzt sah ich auch Legolas, der von einem Menschen angewiesen wurde, einen Ork zu erschießen. Er schaffte es nicht.
Wenige Sekunden später war in der Mauer ein großes Loch, durch das jetzt die dunklen Kreaturen strömten. Noch mehr Menschen kamen jetzt zum Vorschein. Wahrscheinlich war es eine letzte Zuflucht für sie vor dem Feind.
Überall wimmelte es von Orks. Gerade erkannte ich Rúmil, wie er von so einem Ungetüm angegriffen wurde. Er verlor sein Schwert. Seine Augen weiteten sich vor Schreck.
Ich hielt den Atem an. Sollte das das Ende für den Galadhrim sein?
Doch ein Pfeil flog an ihm vorbei und traf den Ork. Legolas hatte das Leben Rúmils gerettet.
Jetzt kam auch der, den ich seit Beginn der Schlacht nicht mehr gesehen hatte, in meine Sicht.
Haldir. Dieser arrogante, überhebliche, immer ernst wirkende, aber auch so liebevolle, freundliche und immer Komplimente machende Elb. Er sah schon sehr abgekämpft und erschöpft aus, doch er machte weiter. Ließ sich von der aussichtslosen Lage in der sie sich befanden nicht beirren.
Von irgendwo musste ein Ruf gekommen sein, denn alle Verteidiger der Burg, die ich jetzt im Hintergrund sah, strömten auf diesen zu und brachten sich in Sicherheit. Auch die letzten Elben auf dem Wall verschwanden und überließen den Orks das Feld.
Haldir war gerade mit einem Ork beschäftigt, als der Ruf kam. Er wollte sich schon abwenden, da kam von hinten ein weiterer Ork und erhob sein Schwert. Wieder schwirrte ein Pfeil durch die Luft. Doch diesmal traf er nicht.
Haldir wurde getroffen und ging in die Knie….
-.-.-.-.-.-.-.-.-
Und da erwachte ich. Elrond stand an meinem Bett und sah mich besorgt an.
“Es war nur ein Traum.”, sagt er zu mir. “Du hast nur schlecht geträumt.”
Ich zitterte am ganzen Körper. Mir war kalt und ich war nass geschwitzt.
“Hier trink etwas, dann werden wir dein Bett richten, damit du wieder ruhen kannst.”
Ich nahm den Becher an meine Lippen und trank. Ich fühlte mich entkräftet. Durch Elronds Trank erhoffte ich mir neue Kraft um die Nachwirkungen dieses Traumes zu bekämpfen.
Jetzt erst betrachtete ich meine nähere Umgebung genauer. Elrond war bei mir, das hieß, dass ich in Bruchtal war. Warum war ich in Bruchtal? Vor allem, was suchte ich im Heilertrakt?
Ich dachte einige Zeit darüber nach. Ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Da kam mir eine kurze Erinnerung. Ich war in Gondor, mit einem Mann. Er verließ mich. Ich ging ebenfalls. Dann sah ich Dunländer um mich. Und Orks. Und dann nur noch Dunkelheit.
Ich sah mich nochmals kurz in dem Raum um und an mir selbst runter. Da bemerkte ich es endlich. Es fehlte etwas an mir. Ich sah Elrond an, der mich immer noch sorgenvoll betrachtete.
“Wo ist es? Wo ist mein Kind?” Hatte ich es etwa verloren. Betrachtete er mich deshalb so. Er schüttelte leicht den Kopf und mir kamen fast die Tränen. Sollte ich es doch verloren haben?
“Es ist im Moment nicht hier. Eine Heilerin badet es.” Ich musste tatsächlich weinen. Elrond drückte mich an sich und streichelte mir übers Haupt.
“Es ist ein Mädchen und sie ist gesund. Doch ehrlich gesagt hatten wir uns ernsthafte Sorgen um dich gemacht.” Er drückte mich erneut an sich und ließ mich dann los. “Ich werde sie holen, damit du sie sehen kannst.”
Er ging und derweil kamen zwei Elbinnen in mein Zimmer und richteten, wie vorhin schon angekündigt, mein Bett. Mir brachten sie eine Schüssel mit warmem Wasser und ich wusch mich schnell. Auch einen Teller mit Broten bekam ich. Da merkte ich, dass ich tatsächlich ein wenig Hunger hatte.
Nach etwa zehn Minuten kam Elrond zurück und hielt ein Bündel in seinen Armen. Darin bewegte sich etwas. Er reichte es mir und darin lag meine kleine Tochter. Sie war so winzig, aber schon so frech. Ich wollte ihr kleines Gesichtchen streicheln, da schnappte sie nach meinem Finger. Ich musste übers ganze Gesicht strahlen. Und wieder kamen mir Tränen, doch diesmal ehrliche Freudentränen.
Aber das änderte sich schlagartig. Ich dachte an ihn und dass er sich sicher auch freuen würde sie zu sehen, obwohl sie nicht von ihm war. Doch da dachte ich an meinen Traum. Er war gefallen. Er würde nie einen Blick auf sie werfen können.
Und schon war es um mich geschehen. Ich brach in Tränen aus. Elrond nahm mir die Kleine ab und gab sie einer Elbin. Dann rückte er wieder zu mir und drückte mich an sich.
“Scht. Nicht weinen. Was ist denn Kleines?”, fragte er mich, doch ich war unfähig zu antworten. Noch immer hafteten meine Erinnerungen an seinem Blick. Haldirs Blick als er getroffen wurde. Er wirkte überrascht und verwundert. Dann sah ich Schock in seinen Augen.
Er schien nicht damit gerechnet zu haben, so kurz vor Ende der Schlacht getroffen zu werden. Ich am allerwenigsten. Ich kannte Haldir nur als unerbittlichen Kämpfer, meist ohne nennenswerte Verwundung. Und dann wurde er so überraschend niedergestreckt. Mein Puls raste und erneut stiegen Tränen in mir auf. Ich fühlte einen dicken Kloß in meinem Hals. Ich bemerkte auch, wie sich in Elronds Gewand meine Tränen sammelten. Doch er sagte nichts dazu. Er wartete ab, bis ich mich wieder beruhigt hatte und wieder reden konnte.
“Was ist passiert Kleines, das dich dazu veranlasst solche Tränen zu vergießen?”
“Ich…”, ich musste mich unterbrechen, da mein Hals ganz rau war. Er reichte mir erneut einen Becher mit Wasser. “Ich hab ihn gesehen. Er ist gefallen.” Schon wieder stiegen Tränen in meine Augen.
“Wer? Wer ist gefallen? Um wen weinst du so bitterlich?” Ich wusste, er kannte die Antwort schon jetzt.
“Haldir! Ich hab ihn gesehen bei einer großen Schlacht. Viele Elben waren da, sogar Orophin und Rúmil. Und Legolas und noch mehr Menschen und ein Zwerg!” Elrond sah mich ungläubig an. Er stand auf und ging im Zimmer umher.
Dann begann er mich weiter auszufragen: “Wie sah die Umgebung aus? Waren sie in Gondor?”
“Ich hab nur einen Wall gesehen und dahinter eine Burg. Und Orks, die diese angriffen. Aber in ihren Reihen waren auch andere bösartige Gestalten. Und ich bin mir sicher, dass sie nicht in Gondor waren. Zumindest nicht in Minas Tirith oder Osgiliath.” Elrond nickte mit dem Kopf. Er setzte sich wieder zu mir ans Bett und ergriff meine Hand.
“Ich habe heute früh eine Nachricht erhalten. Sie kam aus dem Goldenen Wald von Galadriel. Sie hat mir geschrieben, dass die Gefährten in Lórien waren. Außerdem hat sie in ihrem Spiegel gesehen, dass die Menschen eine große Schlacht schlagen müssen. Doch der Gegner war zu groß. Sie hat einen Trupp zusammengestellt, der sich auf den Weg nach Helms Klamm, so heißt der Ort wo gekämpft wurde, machen sollte. Sie meinte, ihr Hauptmann der Grenzwache wäre auch mit dabei…”
“Nein. Das darf einfach nicht sein!”
“Es war nur ein Traum. Vielleicht wollten dir die Valar zeigen, wie es ausgehen könnte…”
“Wieso sollten mir die Valar so etwas antun?” Ich sank in mein Bett zurück und begann wieder zu weinen. Elrond strich mir noch einmal über die Wange und ging dann.
Wieder öffnete sich die Tür und Arwen kam mit meiner Kleinen ins Zimmer.
“Arwen? Schön dich zu sehen.”
“Hallo, Schwesterchen. Wie geht es dir? Ich hab dir hier dein Sonnenscheinchen mitgebracht.”
“Danke Arwen. Und nenn mich nicht so, du weißt genau, ich bin nicht deine Schwester!”
“Ja, ja. Du weißt schon wie ich das meine. Du hast geweint? Ist etwas passiert?”
“Ich weiß es nicht.” Doch ich wusste es und wollte es mir selbst nicht eingestehen.
Arwen wollte mich auf andere Gedanke bringen: “Wie willst du sie nennen?”
“Ich hab schon überlegt. Ich werde sie Ancalime nennen.”
“Was sagt denn der Vater dazu?”
“Es gibt keinen Vater mehr.”
“Was?”, fragte sie mich geschockt.
“Er ist gestorben. Er wurde zu seinem Heer berufen, da diese Orks immer wieder die Grenzen Gondors angreifen. Mir wurde zwei Wochen nach seinem Weggang von seinem Tod berichtet.” Arwen schaute mich immer noch geschockt an. “Aber, aber ich dachte du bist mit Haldir…”
Schon wieder wurde ich an ihn erinnert. Ich atmete tief ein und schloss kurz die Augen, denn erneut verschleierten Tränen meinen Blick.
“Auch er ist gefallen.” Ich sagte es, als würde mich sein Tod gar nicht berühren.
Arwen schien die Luft weg zu bleiben. Das hatte sie anscheinend nicht erwartet. “Aber woher weißt du das?”
“Ich hatte heute Nacht einen Traum. Er wirkte sehr real. Ich sah, wie er von einem hinter ihm stehenden Ork getroffen wurde und fiel.”
“Aber Träume sind doch nur Schäume, komm wir gehen ein bisschen spazieren und bringen deine Ancalime vorher noch zu einer Amme. Dann musst du mir auch erzählen, was du die letzten Jahre gemacht hast.” Sie zog mich aus dem Bett, reichte mir einen Morgenmantel und hakte sich dann bei mir ein.
Kapitel 2
Am nächsten Tag:
Heute früh sind Elladan und Elrohir aufgebrochen. Sie wollten sich mit ein paar Waldläufern treffen und dann Richtung Süden gehen. Arwen reichte ihren Brüdern eine verhüllte Fahne. Die Geschwister nickten sich zu und verabschiedeten sich. Auch Elrond war da und wünschte seinen Söhnen viel Glück bei der Reise.
Von Arwen hatte ich gestern noch erfahren, dass vor zweieinhalb Monaten neun Gefährten von Bruchtal aufgebrochen waren um Saurons Meisterring zu zerstören. Sie hatte mir auch erzählt, dass Legolas dazu gehörte und der Zwerg aus meinem Traum auch. Er soll Gimli heißen. Außerdem hatte sie mir anvertraut, dass ein Mensch namens Aragorn ihr Zukünftiger ist. Wahrscheinlich der, der Legolas angefeuert hatte den einen Ork zu erschießen.
Mir wurde bewusst, dass ich riesiges Glück hatte, einigermaßen heil in Bruchtal anzukommen. Erst dieser halsbrecherische Versuch, alleine und schwanger Lothlórien zu erreichen. Dann die Gefangennahme durch Dunländer. Sie wollten mich in ihr Land mitnehmen, doch bei Isengard wurden sie von Orks aufgehalten. Durch Zufall und noch mehr Glück konnte ich gerade so entwischen und musste mich dann irgendwie auf den richtigen Weg nach Bruchtal begeben haben. Aber das war es dann auch schon mit meiner Erinnerung.
Elladan und Elrohir hatten mir erzählt, dass sie mich zehn Meilen vor Bruchtal gefunden hatten. Sie hätten mich sofort zu Elrond gebracht und der hätte sich dann um mich gekümmert. Ich hätte bestimmt eine Woche im Bett gelegen ohne zu erwachen, hatten sie gesagt. Ich hatte mich noch gar nicht dafür bedankt, fiel mir gerade ein.
Vor einer Stunde sind Verletzte aus dem Düsterwald hier eingetroffen. Eine gute Freundin von mir war dabei. Sie heißt Lúthanell. Doch es steht nicht gut um sie, sagte Elrond.
Ich selbst saß wieder in meinem Bett und spielte mit Ancalime. Sie ist das lieblichste Geschöpf Mittelerdes, was ich je gesehen hatte. Sie hätte Haldir bestimmt gefallen.
Oh nein. Ich fing schon wieder damit an. Ich brauchte dringend Abwechselung. Also ging ich mit Ancalime zu Lúthanell. Ich musste mal schauen wie es ihr ging. Vielleicht war sie ja auch schon wach.
Tatsächlich saß Elrond bei ihr und unterhielt sich mit ihr. Als ich in der Tür erschien, schaute mich Lúthanell fragend an. Nach einem Moment erstrahlte ihr Gesicht.
“Falathwen. Ich bin erfreut, dich hier zu sehen!”, rief sie mir entgegen. Elrond verabschiedete sich von uns. Er ermahnte Lúthanell aber nochmals, nicht aufzustehen.
“Hallo, wie geht es dir. Du wurdest gestern schwer verletzt hierher gebracht. Elrond meinte es steht nicht gut um dich…”
“Ach, mich kann nichts unterkriegen…”, sie versuchte sich etwas aufzusetzen, doch erstarrte in der Bewegung. Ich sah, dass sie Schmerzen hatte und versuchte, diese zu überspielen. Ich wollte ihr helfen, doch sie wehrte mich ab und ließ sich wieder in die Kissen sinken.
“Was trägst du da mit dir rum?”
“Das ist meine Tochter Ancalime.”, sagte ich stolz. Sie schaute mich überrascht an und schmunzelte dann.
“Haldir wird sich freuen, dich und seine Tochter gesund und munter hier vorzufinden.”
“Sie ist nicht von Haldir und außerdem hab ich mich schon vor längerem von ihm getrennt.”
“Was? Wie ist das denn passiert? Ihr wart doch so ein glückliches Pärchen!”
“Ich weiß es auch nicht. Wir haben uns irgendwie auseinander gelebt.”, schon wieder lief eine Träne über mein Gesicht.
“Deshalb weinst du? Siehst du, dein Herz scheint das anders zu sehen. Du solltest, wenn dieser Krieg vorbei ist, mit ihm reden und vor allem die Zukunft deiner Tochter bedenken.”
Ich wollte nicken, doch es ging nicht. Stattdessen betrachtete ich Ancalime. Sie schlief.
“Was betrübt dein Herz sonst noch? Du siehst nicht glücklich aus.”
“Ich… ich weiß nicht. Hat dir Elrond berichtet, dass die neun Gefährten aufgebrochen sind um den einen Ring zu vernichten?” Ein Nicken ihrerseits ließ mich fortfahren. “Sie müssen jetzt in Rohan sein. Ich hatte gestern einen Traum. Bei Helms Klamm fand eine Schlacht statt. Galadriel hat einen Elbentrupp dorthin geschickt. Haldir war dabei. Er ist in meinem Traum gestorben.”
“Was? Das glaube ich dir nicht. War Legolas dabei?”
“Ja. Er hat sogar versucht, den Ork zu erschießen, hat aber nicht getroffen.”
Lúthanell kamen jetzt auch die Tränen, wie mir gestern. Sie versuchte mich zu umarmen, musste den Versuch aber aufgeben, da ihre Schmerzen sie behinderten. Stattdessen kam ich ihr entgegen und umarmte sie. So spendeten wir uns gegenseitig Trost.
Dann wollte ich aber auch wissen, was mit ihr passiert war.
“Ich war an der Westgrenze vom Düsterwald in der Grenzkompanie eingeteilt. Legolas wird mich umbringen, falls er das je erfahren wird. Aber Thranduil konnte ich überreden. Und dort wurden wir von Orks angegriffen. Und natürlich mussten sie mich erwischen. Ich kann mich kaum bewegen ohne irgendwelche Schmerzen zu haben.”
Dieser letzte Satz zeigte mir, dass es doch nicht so gut um sie stand, wie sie es vorgab.
“Das wird schon. Warts nur ab, in drei Wochen kannst du wieder durch Bruchtals Gärten springen.”, ich musste bei dem Gedanken lachen.
“Bei Elronds guter Pflege.”
“Brauchst du noch etwas? Was zu essen oder zu trinken?”
“Nein, aber ich glaube ich werde noch etwas schlafen. Sehen wir uns noch mal?”
“Sicher, ich geh nicht so schnell von hier weg.” Warum auch. Es gab keinen mehr, der mich bei sich aufnehmen würde.
Ich ging wieder in mein Zimmer und legte mich ebenfalls schlafen. Ancalime gab ich vorher einer Amme. Ich musste erst mit meinem Schmerz fertig werden, bevor ich mich voll und ganz meiner Mutterrolle widmen konnte. Dem Kind tat es bestimmt besser, nicht bei seiner trauernden Mutter zu sein.
So vergingen die nächsten zwei Wochen. Ich besuchte oft Lúthanell, unterhielt mich mit Arwen und natürlich auch mit Elrond. Doch ich wurde mit dieser Empfindung meines Herzens nicht fertig.
Ich hatte ihn sterben sehen!
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mit ihm ein Teil von mir gestorben war. Dabei hatte ich nur einen kurzen Abschnitt meines Lebens mit ihm verbracht. Für elbische Verhältnisse.
Ich war gerade bei Lúthanell. Ihr ging es immer noch nicht besser. Elrond hatte gestern festgestellt, dass sie ihre Beine nicht mehr bewegen konnte. Es war ein Schock für uns alle, aber besonders für Lúthanell. Sie war so gern mit ihrem Pferd unterwegs und vor allem stand sie immer besonders gern mit Legolas Seite an Seite und bekämpfte das Böse.
Elrond verzweifelte fast. Er wollte, aber konnte ihr beim besten Willen nicht mehr helfen. Jetzt hieß es warten und hoffen. Ein Brief war unterwegs zum Goldenen Wald um Hilfe anzufordern.
Kapitel 3
Am nächsten Tag:
Heute früh sind Elladan und Elrohir aufgebrochen. Sie wollten sich mit ein paar Waldläufern treffen und dann Richtung Süden gehen. Arwen reichte ihren Brüdern eine verhüllte Fahne. Die Geschwister nickten sich zu und verabschiedeten sich. Auch Elrond war da und wünschte seinen Söhnen viel Glück bei der Reise.
Von Arwen hatte ich gestern noch erfahren, dass vor zweieinhalb Monaten neun Gefährten von Bruchtal aufgebrochen waren um Saurons Meisterring zu zerstören. Sie hatte mir auch erzählt, dass Legolas dazu gehörte und der Zwerg aus meinem Traum auch. Er soll Gimli heißen. Außerdem hatte sie mir anvertraut, dass ein Mensch namens Aragorn ihr Zukünftiger ist. Wahrscheinlich der, der Legolas angefeuert hatte den einen Ork zu erschießen.
Mir wurde bewusst, dass ich riesiges Glück hatte, einigermaßen heil in Bruchtal anzukommen. Erst dieser halsbrecherische Versuch, alleine und schwanger Lothlórien zu erreichen. Dann die Gefangennahme durch Dunländer. Sie wollten mich in ihr Land mitnehmen, doch bei Isengard wurden sie von Orks aufgehalten. Durch Zufall und noch mehr Glück konnte ich gerade so entwischen und musste mich dann irgendwie auf den richtigen Weg nach Bruchtal begeben haben. Aber das war es dann auch schon mit meiner Erinnerung.
Elladan und Elrohir hatten mir erzählt, dass sie mich zehn Meilen vor Bruchtal gefunden hatten. Sie hätten mich sofort zu Elrond gebracht und der hätte sich dann um mich gekümmert. Ich hätte bestimmt eine Woche im Bett gelegen ohne zu erwachen, hatten sie gesagt. Ich hatte mich noch gar nicht dafür bedankt, fiel mir gerade ein.
Vor einer Stunde sind Verletzte aus dem Düsterwald hier eingetroffen. Eine gute Freundin von mir war dabei. Sie heißt Lúthanell. Doch es steht nicht gut um sie, sagte Elrond.
Ich selbst saß wieder in meinem Bett und spielte mit Ancalime. Sie ist das lieblichste Geschöpf Mittelerdes, was ich je gesehen hatte. Sie hätte Haldir bestimmt gefallen.
Oh nein. Ich fing schon wieder damit an. Ich brauchte dringend Abwechselung. Also ging ich mit Ancalime zu Lúthanell. Ich musste mal schauen wie es ihr ging. Vielleicht war sie ja auch schon wach.
Tatsächlich saß Elrond bei ihr und unterhielt sich mit ihr. Als ich in der Tür erschien, schaute mich Lúthanell fragend an. Nach einem Moment erstrahlte ihr Gesicht.
“Falathwen. Ich bin erfreut, dich hier zu sehen!”, rief sie mir entgegen. Elrond verabschiedete sich von uns. Er ermahnte Lúthanell aber nochmals, nicht aufzustehen.
“Hallo, wie geht es dir. Du wurdest gestern schwer verletzt hierher gebracht. Elrond meinte es steht nicht gut um dich…”
“Ach, mich kann nichts unterkriegen…”, sie versuchte sich etwas aufzusetzen, doch erstarrte in der Bewegung. Ich sah, dass sie Schmerzen hatte und versuchte, diese zu überspielen. Ich wollte ihr helfen, doch sie wehrte mich ab und ließ sich wieder in die Kissen sinken.
“Was trägst du da mit dir rum?”
“Das ist meine Tochter Ancalime.”, sagte ich stolz. Sie schaute mich überrascht an und schmunzelte dann.
“Haldir wird sich freuen, dich und seine Tochter gesund und munter hier vorzufinden.”
“Sie ist nicht von Haldir und außerdem hab ich mich schon vor längerem von ihm getrennt.”
“Was? Wie ist das denn passiert? Ihr wart doch so ein glückliches Pärchen!”
“Ich weiß es auch nicht. Wir haben uns irgendwie auseinander gelebt.”, schon wieder lief eine Träne über mein Gesicht.
“Deshalb weinst du? Siehst du, dein Herz scheint das anders zu sehen. Du solltest, wenn dieser Krieg vorbei ist, mit ihm reden und vor allem die Zukunft deiner Tochter bedenken.”
Ich wollte nicken, doch es ging nicht. Stattdessen betrachtete ich Ancalime. Sie schlief.
“Was betrübt dein Herz sonst noch? Du siehst nicht glücklich aus.”
“Ich… ich weiß nicht. Hat dir Elrond berichtet, dass die neun Gefährten aufgebrochen sind um den einen Ring zu vernichten?” Ein Nicken ihrerseits ließ mich fortfahren. “Sie müssen jetzt in Rohan sein. Ich hatte gestern einen Traum. Bei Helms Klamm fand eine Schlacht statt. Galadriel hat einen Elbentrupp dorthin geschickt. Haldir war dabei. Er ist in meinem Traum gestorben.”
“Was? Das glaube ich dir nicht. War Legolas dabei?”
“Ja. Er hat sogar versucht, den Ork zu erschießen, hat aber nicht getroffen.”
Lúthanell kamen jetzt auch die Tränen, wie mir gestern. Sie versuchte mich zu umarmen, musste den Versuch aber aufgeben, da ihre Schmerzen sie behinderten. Stattdessen kam ich ihr entgegen und umarmte sie. So spendeten wir uns gegenseitig Trost.
Dann wollte ich aber auch wissen, was mit ihr passiert war.
“Ich war an der Westgrenze vom Düsterwald in der Grenzkompanie eingeteilt. Legolas wird mich umbringen, falls er das je erfahren wird. Aber Thranduil konnte ich überreden. Und dort wurden wir von Orks angegriffen. Und natürlich mussten sie mich erwischen. Ich kann mich kaum bewegen ohne irgendwelche Schmerzen zu haben.”
Dieser letzte Satz zeigte mir, dass es doch nicht so gut um sie stand, wie sie es vorgab.
“Das wird schon. Warts nur ab, in drei Wochen kannst du wieder durch Bruchtals Gärten springen.”, ich musste bei dem Gedanken lachen.
“Bei Elronds guter Pflege.”
“Brauchst du noch etwas? Was zu essen oder zu trinken?”
“Nein, aber ich glaube ich werde noch etwas schlafen. Sehen wir uns noch mal?”
“Sicher, ich geh nicht so schnell von hier weg.” Warum auch. Es gab keinen mehr, der mich bei sich aufnehmen würde.
Ich ging wieder in mein Zimmer und legte mich ebenfalls schlafen. Ancalime gab ich vorher einer Amme. Ich musste erst mit meinem Schmerz fertig werden, bevor ich mich voll und ganz meiner Mutterrolle widmen konnte. Dem Kind tat es bestimmt besser, nicht bei seiner trauernden Mutter zu sein.
So vergingen die nächsten zwei Wochen. Ich besuchte oft Lúthanell, unterhielt mich mit Arwen und natürlich auch mit Elrond. Doch ich wurde mit dieser Empfindung meines Herzens nicht fertig.
Ich hatte ihn sterben sehen!
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mit ihm ein Teil von mir gestorben war. Dabei hatte ich nur einen kurzen Abschnitt meines Lebens mit ihm verbracht. Für elbische Verhältnisse.
Ich war gerade bei Lúthanell. Ihr ging es immer noch nicht besser. Elrond hatte gestern festgestellt, dass sie ihre Beine nicht mehr bewegen konnte. Es war ein Schock für uns alle, aber besonders für Lúthanell. Sie war so gern mit ihrem Pferd unterwegs und vor allem stand sie immer besonders gern mit Legolas Seite an Seite und bekämpfte das Böse.
Elrond verzweifelte fast. Er wollte, aber konnte ihr beim besten Willen nicht mehr helfen. Jetzt hieß es warten und hoffen. Ein Brief war unterwegs zum Goldenen Wald um Hilfe anzufordern.
Kapitel 4
Lúthanell ging es immer noch nicht besser und ich fühlte mich langsam schwach und einfach alt. Elrond wollte Arwen nach Valinor schicken. Zur Sicherheit vor dem Krieg.
Ich fand den Gedanken langsam angenehm. Ancalime konnte genauso gut auch in Valinor aufwachsen. Für Lúthanells Heilung wäre es sicher auch nicht schlecht.
Am dritten Tag nach meinen Überlegungen ging es tatsächlich los. Ich würde endlich Valinor erblicken. Und ich würde nur meine schönsten Augenblicke mitnehmen an diesen seligen Ort.
Mein erstes Treffen mit Haldir war natürlich nicht so ein Moment, aber ein späteres wollte ich in Gedanken mitnehmen.
Ich hatte zuvor ein paar Jahre im Düsterwald verbracht und war nach Bruchtal zurückgekehrt. Es sollte dort ein Fest stattfinden. Aus dem Düsterwald hatte ich ein paar neue Stoffe mitgebracht und ließ mir für den Anlass ein neues Kleid schneidern.
Es waren eine Menge Besucher da, auch Elben aus dem Goldenen Wald hatte ich gesehen.
Am Abend holten mich Elladan und Elrohir, die beiden waren jetzt absolute Lieblinge der Damenwelt geworden, ab. Der Saal war es schon gut gefüllt und wir erreichten nur mit hängen und würgen das Büfett.
Plötzlich reichte mir jemand von der Seite einen Teller mit dem Kommentar: „Damit du nicht so lange warten musst.“
„Haldir! Was machst du denn hier?“, fragte ich freudig überrascht.
„Ich bin als Bote hier. Wollen wir ein wenig raus gehen? Hier ist es doch recht eng.“
Ich folgte ihm mit meinem Teller und wir ließen uns an einem leeren Tisch nieder. Ich begutachtete mein Gegenüber. Er sah jetzt nicht mehr allzu jugendlich aus. Haldir schien erwachsen geworden zu sein.
„Möchtest du etwas trinken?“
„Nur, wenn du mir sagst, wo ich was finde!“ Wir lachten beide los.
„Es ist schön, dich mal wieder zu sehen.“
„Wie geht es Tanwethiel?“
„Sie muss arbeiten, aber ich sollte dich grüßen, falls ich dich sehen sollte. Also grüße ich dich hiermit von ihr.“
„Und was machst du jetzt so? Ich meine, du hast vorhin irgendetwas von Bote gesagt?“
„Ja, ich bin jetzt sozusagen im Außendienst. Sehr interessante Arbeit. Aber ich muss morgen schon wieder aufbrechen.“
„Schade. Da trifft man mal jemand Bekanntes und dann so was.“
Daraufhin nahm er meine Hand und forderte mich zum Tanzen auf. Auch mit Elladan und Elrohir musste ich mindestens einmal tanzen. Sogar Elrond ließ sich dazu hinreißen. Arwen war gerade in Lothlórien und deshalb musste ich gewissermaßen als Ersatz herhalten. Nach drei Stunden taten mir dann doch langsam die Füße weh.
Haldir brachte mich noch zu meinem Schlafgemach.
„Meintest du nicht einmal, dass es dir nicht behagt, Elbendamen durch die Gegend zu führen?“, fragte ich scherzhaft.
„Bei so einer, im wahrsten Sinne des Wortes, reizenden Dame kann ich, glaube ich eine Ausnahme machen.“
„Es ist wirklich schade, dass du morgen schon wieder gehen musst.“, bedauerte ich.
Sekunden später spürte ich kurz seine Lippen auf den meinen.
„Ich auch. Gute Nacht.“ Er rannte förmlich von mir weg.
Dies war der ausschlaggebende Moment zwischen Haldir und mir gewesen. Es hatte zwar noch ein wenig gedauert, bis wir dann wirklich ein Paar waren, aber dieser zaghafte, abwartende Kuss war für mich der Beginn gewesen.
-.-.-.-.-.-.-.-.-
Wir waren jetzt schon eine Weile unterwegs. Durch die Verletzten, die wir mitnahmen, ging es nur langsam voran. Ich sprach oft mit Arwen.
Am heutigen Morgen war sie recht aufgewühlt. Sie erzählte mir, sie hätte eine Vision von Aragorn und einem Kind gehabt. Sie war kaum noch zu halten, denn sie wollte ihr eigenes Kind in ihrer Vision gesehen haben.
Ich zweifelte nicht an Arwen und ließ sie gehen. Sie sollte zu ihrem Verlobten und ihrer Zukunft reiten.
Da sie von ihrem Verlobten redete und dass er diesen Krieg sicher überleben würde, kamen mir wieder die Tränen. Ich traf da meine schwerste Entscheidung. Arwen sollte Ancalime mitnehmen und bei sich groß ziehen. Was sollte das Kind mit einer ständig trauernden Mutter anfangen? Außerdem sollte meine Tochter selbst entscheiden, ob sie sich den Menschen oder den Elben anschließen wollte.
Arwen war einverstanden und ritt zurück. Für den Rest ging es Richtung Valinor.
Bei den Grauen Anfurten begrüßte uns schon Círdan.
Wir bestiegen alle ein Schiff und legten ab. Alle blickten zurück, aber nach einiger Zeit kehrten mehr und mehr Mittelerde den Rücken. Ich wartete, bis ich keine Küstenlinie mehr sehen konnte.
Dabei kamen mir wieder Erinnerungen an Haldir und mich.
Diesmal unsere letzte Begegnung. Leider ging sie im Streit aus und wir trennten uns in Uneinigkeit.
Haldir und ich waren zu der Zeit schon Ewigkeiten zusammen, aber nie fest, ohne den Bund eingegangen zu sein. Für ihn schien es aber zu der Zeit wichtiger zu werden. Er wollte, dass ich mich an ihn band. Zur heutigen Zeit hätte ich es auch jederzeit getan, aber damals war ich stur. Ich wollte Mittelerde erkunden, wenn nötig auch ohne Haldir. Er hatte sich für den Goldenen Wald entschieden. Wollte ihn nicht verlassen, denn der Feind nahm wieder vermehrt Angriffe auf dessen Grenzen vor.
So ging ich und sah Haldir nie wieder. Außer natürlich in meinem Traum.
Ich drehte mich nun auch um und blickte kurz in Fahrtrichtung. Das Meer reichte bis zum Horizont. Ich ging unter Deck und kümmerte mich ein bisschen um die Verletzten.
-.-.-.-.-.-.-.-.-
„Vater, es ist schön, dich hier zu sehen.“
„Wen hast du alles mitgebracht?“, begrüßten Elladan und Elrohir ihren Vater in Minas Tirith. Die Schlachten um Mittelerde waren gewonnen und in wenigen Stunden sollte die Krönungszeremonie beginnen.
„Ist Aragorn hier?“, fragte er seine Söhne, anstatt einer Begrüßung.
„Aragorn ist im Thronsaal und bereitet sich auf die Zeremonie vor.“
„Gut, er darf Arwen noch nicht sehen. Es soll eine Überraschung werden. Mir fällt es zwar nicht leicht, aber eure Schwester hat ihm ihre Liebe geschenkt. Da kann selbst ich nichts mehr unternehmen.“
„Arwen ist hier? Du lässt sie gehen? Wo ist Falathwen? Geht es ihr wieder besser?“, fragte Elladan aufgeregt.
„Falathwen ist, kurz vor meiner Abreise hierher, nach Valinor aufgebrochen. Es ist besser so. Dort kann sie ihre Seele wieder auskurieren“
„Aber nein, er lebt. Haldir hat die Schlacht um Helms Klamm überlebt. Er ist im Goldenen Wald zur Heilung. Aber er wird sicher mit Galadriel und Celeborn zur Krönung kommen. Sie haben sich bereits ankündigen lassen.“
„Wer weiß sonst noch von Falathwens Traum und ist derzeit in Haldirs Nähe?“, fragte Elrond seine Söhne.
„Wir haben es keinem weiter gesagt.“
„Gut, wir werden es dabei belassen. Die Valar haben es wahrscheinlich nicht vorgesehen, dass diese beiden zusammen glücklich werden. Sie hat ihre Tochter in Arwens Obhut gegeben, damit sie in den nun friedlichen Tagen Mittelerdes aufwachsen kann.“ Elrond wand sich ab und ging zurück zu seiner Tochter.
-.-.-.-.-.-.-.-.-
Schon seit Stunden konnte man die Küste Valinors sehen. In wenigen Minuten würde das Schiff anlegen. Ich stand mit Lúthanell an der Reling. Sie sah schon etwas besser aus und konnte sogar schon wieder herzlich lachen.
Wir hatten vereinbart, dass wir uns ein Haus teilen wollten, damit wir nicht so einsam waren. Außerdem könnten wir uns so in die Hausarbeit reinteilen. Lúthanell war von nun an jeden Tag am Hafen und wartete auf Legolas. Ich hatte damit begonnen zu musizieren. Ich wollte mich ablenken und trat dem örtlichen Musikverein bei.
Nach ein paar Jahren kam Lúthanell aufgeregt vom Hafen zurück. Sie meinte ich müsse ganz dringend mitkommen. Ich fragte mich schon, was sie so aufregen könnte, denn bei Legolas Ankunft hätte sie sicher anders reagiert.
Als wir dann am Hafen ankamen, sah ich, weswegen sie so aufgeregt war. Elrond, Gandalf und Galadriel waren angekommen. Mit ihnen zwei kleine Geschöpfe. Wie ich erfuhr, waren es Frodo und Bilbo, die beiden Ringträger und Retter Mittelerdes.
Elrond und Galadriel wollten mich, sobald sie sich etwas ausgeruht hatten, sprechen.
Zur vereinbarten Zeit trafen wir uns. Sie meinten, ich solle mich lieber setzten, da sie wichtige Neuigkeiten hatten. Ich ließ sie jedoch erst gar nicht zu Wort kommen, sondern fragte aufgeregt, ob es Ancalime gut ginge.
Elrond erklärte mir daraufhin, dass Mittelerde gerettet wurde und Arwen sich um Ancalime kümmern und sie in Minas Tirith großziehen würde. Ich atmete erleichtert auf und wartete nun gespannt die wichtigen Neuigkeiten ab. Und sie erschlugen mich förmlich.
Bei der Schlacht von Helms Klamm sollte es zwar herbe Verluste gegeben haben, aber weder Orophin, noch Rúmil, noch Haldir waren dabei gefallen. Mir wurde erst einmal schwarz vor Augen. Als ich wieder erwachte, sah ich in zwei besorgte Gesichter.
Was sollte ich darauf antworten? Elrond und Galadriel schienen das zu verstehen und ließen mich gehen.
Das Haldir lebte, brachte mein ganzes Denken durcheinander. Was sollte ich jetzt machen? Ich war hier in Valinor. Doch durch seinen vermeintlichen Tod hatte sich mein Herz offenbart. Es hing immer noch an diesem Elb.
Ich entschied, dass ich erst einmal darüber schlafen würde.
Am nächsten Morgen ging es mir nicht besser. Nur mein Herz war mir irgendwie leichter geworden.
Ein weiteres Jahr dauerte es, bis ich mich entschied wieder nach Mittelerde zurück zu kehren. Es war gerade ein Schiff von Mittelerde gekommen und es wollte wieder dorthin zurück. Denn es gab immer noch Elben, die es erst jetzt in die Unsterblichen Lande zog.
Doch als wir kurz vor Mittelerde waren, sank mir mein Herz in die Hose. Ich ging nicht von Bord. Auf der Heimreise spielte ich den Elben abends immer etwas vor und so entwickelte sich das Abendprogramm auf den Schiffen.
Ab da fuhr ich jedes Mal wieder mit zurück, ging aber nie von Bord, sondern unterhielt die ’heimkehrenden’ Elben.
Als ich dann nach Jahren Elrond auf einem Schiff Richtung Mittelerde vorfand, war ich zuerst überrascht, Galadriel erzählte mir dann aber, dass Arwen eine Geburtstagsfeier geplant hatte. Auch Lúthanell hatte ich, zu der Zeit vor einem Jahr, schon nach Mittelerde begleitet.
In Bruchtal war es dann soweit. Ich sah Haldir und vor allem Ancalime wieder. Sie war erwachsen geworden und schwanger.
Nach einer kurzen Unterredung mit Haldir, in der ich ihm allerdings nichts von dem Traum erzählt, war unsere Freundschaft fast wieder hergestellt. Wir ärgerten uns gegenseitig, wie früher, so als wären wir nie getrennt gewesen.
Nachdem der Geburtstag vorüber war, begleitete ich Haldir in den Goldenen Wald. Ich wollte wieder bei ihm sein. Alles vorher Geschehene vergessen.
Eines Tages saßen wir zusammen in seiner, nun unserer Wohnung und lasen. Da fragte er ganz unvermittelt: „Warum bist du damals eigentlich nach Valinor gegangen?“
„Das hatte ich dir doch schon einmal erzählt.“ Ich schaute ihn an und erkannte, dass ihn diese Erklärung nicht reichte.
„Hast du mir wirklich alle deine Beweggründe gesagt?“ Er blickte mir tief in die Augen. Ich konnte jetzt nicht mehr schweigen und erzählte ihm von meinem Traum. Als ich fertig berichtet hatte, nahm er mich in die Arme und wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht.
„Es tut mir leid, dass ich diese Erinnerungen in dir geweckt habe, aber ich hatte gespürt, dass das, was du schon sagtest, nicht alles war. Aber sieh mich an, ich lebe. Ich bin nie gestorben und hab insgeheim immer auf dich gewartet. Bleib bei mir, sonst bricht auch mir das Herz.“, gestand er mir.
Ich konnte nur nicken, dann nahm ich ein wenig Abstand von ihm, sah noch einmal in seine grauen Augen und stellte ihm dann, meine wohl schwerste Frage.
Kapitel 5
„Willst du immer noch den Bund mit mir eingehen?“
Haldir schaute mich überrascht an. „Ist das dein voller Ernst?“ Ich konnte nur nicken und wartete gespannt auf seine Antwort.
„Ich… Ja, wenn du dir sicher bist, dass du das auch wirklich willst.“
„Haldir, ich bin mir jetzt absolut sicher. Mein Herz hat mir eindeutig gezeigt, dass es nur an dir hängt. Ich liebe dich und werde dich nie wieder einfach so verlassen. Verzeih mir meine damalige Dummheit, damals war ich mir einfach noch nicht sicher.“
„Ich werd’s mir überlegen.“
„Haldir, dass ist nicht lustig.“
„Schon gut, mein Liebes. Ich hab dir schon vor Jahren verziehen und bin jetzt einfach nur glücklich.“
So saßen wir ein Weilchen uns in den Armen haltend und einfach nur glücklich mit der Gesamtsituation. Doch irgendwann kam mir meine erste nun wichtige Frage.
„Wem erzählen wir es zuerst?“
„Hmm. Ich schätze Elrohir und meiner Schwester. Die beiden sind schließlich die, die wir am schnellsten erreichen können.“
„O.k. Und wo wollen wir feiern? Wen wollen wir alles einladen? Wann überhaupt?“ Mir kamen immer mehr Fragen und ich ließ sie einfach frei raussprudeln.
„Wir werden alle einladen, die wir kennen. Und da wir gerade Frühling haben, bleiben wir hier in Lothlórien. Wann? Das kommt darauf an, wie schnell die Gäste kommen können.“
Ich schaute Haldir überrascht an. Er schien das ganze schon voll durchgeplant zu haben. Und er war auch derjenige, der das ganze dann umsetzte.
Einen Monat später trafen die letzten Gäste ein. Elladan und Quelleving waren aus Bruchtal eingetroffen. Legolas und Lúthanell waren mit Gimli gekommen.
Meine Tochter war die, die am schnellsten ankam. Sie schien alles stehen und liegen gelassen zu haben und mit ihren drei Kindern sofort aufgebrochen zu sein. Sie umarmte mich überglücklich und natürlich auch Haldir.
„Ich freu mich so für euch. Habt ihr schon alles organisiert? Muss noch irgendetwas getan werden?“, redete sie gleich drauf los.
Haldir erklärte ihr dann ruhig, dass schon alles fertig wäre und sie die Tage hier in Lothlórien einfach genießen solle. Doch draus wurde vorerst nichts, denn Rúmil erschien mit Innmanadh im Arm.
„Ich glaube der gehört zu dir, oder?“, dabei sah er Ancalime abwartend an.
„Oh, nein. Was hat er denn schon wieder angestellt?“
„Ich befürchte, in Elrohirs Fischteich leben nun zwei Fische weniger.“, kam seine kryptische Antwort.
„Innmanadh! Was fällt dir ein, einfach so die Fische von Onkel Elrohir zu fangen. Entschuldigt mich bitte. Ich muss erst mal ein ernstes Wort mit meinem Sohn führen.“ Und so verließ sie uns vorerst. Rúmil folgte ihr und wir hatten wieder etwas Zeit für uns allein.
Drei Tage später kam dann der Rest aus Minas Tirith. Aragorn mit Gattin und den restlichen Kindern. Eomer war auch schon da. Auch mit Frau und Sohn. Nur Faramir und Eowyn hatten sich entschuldigen lassen. Eowyn war krank und hatte deshalb absagen müssen. Faramir wollte seine Frau aber nicht alleine lassen und so hatte er auch abgelehnt zu kommen.
Ein Tag trennte uns noch vom Hochzeitstag und die Bediensteten taten ihr bestes, damit bis dahin alles fertig wurde.
Haldir hatte mich derweil entführt und uns beiden einen Entspannungstag verordnet.
Angefangen hatte er mit einem sanften Gutenmorgenkuss. Dann bekam ich ein Frühstück im Bett von meinem Traummann serviert und darauf folgte ein Bad mit anschließender Massage.
Bis zum Nachmittag bekam ich überhaupt nichts von dem ganzen Hochzeitstrubel mit. Doch dann überfielen mich Arwen, Lothíriel, Quelleving, Tanwethiel, Lúthanell, Engwaarda und Ancalime. Sie meinten, ich müsste mich schnell fertig machen, denn es gäbe noch eine Feier am Abend. Und so machte ich mich chic und wir gingen runter zur Terrasse, wo auch morgen gefeiert werden sollte.
Dort standen schon unsere Männer und die geladenen Gäste Lothlóriens, die morgen auch anwesend sein würden. Es gab ein kleines Büfett und einen anschließenden Tanzabend. Es war sozusagen schon mal eine Probe für morgen Abend. Nur ließen wir es nicht all zu lange werden, denn sonst hätten wir am nächsten Morgen bestimmt keine frischen Gesichter unter den Gästen. Es waren ja schließlich auch Menschen dabei und die brauchten den Schlaf.
Haldir und ich legten uns dann gemeinsam schlafen und kuschelten uns eng aneinander. Doch mir schien es, dass ich nur Minuten geschlafen hatte, denn plötzlich stand Tanwethiel in unserem Zimmer.
Mit einem Ruck lag unsere Decke auf dem Boden.
„Schwesterherz, was soll das? Die Sonne ist gerade aufgegangen und es ist unser Hochzeitstag…“
„Genau, und Falathwen muss sich noch fertig machen. Und dich können wir dabei nicht gebrauchen, also raus mit dir!“
Murrend erhob sich Haldir und wollte schon gehen, als er noch mal zurück kam und mir einen langen ‚Abschiedskuss’ gab. Währenddessen waren meine ‚Brautjungfern’ rein gekommen und betrachteten das Schauspiel.
„Bis nachher meine Süße.“, verabschiedete sich Haldir nun bei mir und mit einem „Guten Morgen, meine Damen.“, begrüßte er noch schnell die Umherstehenden. Das er dabei nur in seiner Pyjamahose herumlief, ließ er sich nicht anmerken und verließ völlig gelassen das Zimmer.
Nun kamen sie alle auf mich zu gestürmt und fingen an, an mir rum zu fummeln. Nach fünf Minuten wurde mir das zu bunt.
„Also, wenn ich in vier Stunden meine Hochzeit feiern soll, dann geht das so nicht. Ich will mir zuerst das Kleid anziehen. Dann kannst du, Lúthanell, mir die Haare machen. Und zum Schluss kann dann noch mal alles gezupft werden, Quelleving.“
Sofort war Ruhe eingekehrt und alles lief wie abgesprochen. Zwischendurch bekam ich dann auch endlich mal ein Frühstück serviert und ließ die Arbeiten dafür erst einmal zehn Minuten ruhen.
Währenddessen hatte sich Haldir bei seinen Brüdern einquartiert. Der hatte es gut und konnte noch eine Stunde weiter pennen, ehe er von den ‚Jungs’ geweckt wurde.
Sie wollten ihn auch sofort in den Anzug stecken, aber Haldir wehrte sich. Zumindest die Jacke und die Krawatte wollte er noch nicht anziehen.
Dann lief er nervös im Zimmer auf und ab und wartete, bis es endlich so weit war. Irgendwann wurde das Legolas zu viel und er bat Haldir stehen zu bleiben.
„Wenn du so weiter machst, hat der Boden von Rúmils Zimmer bald ein Loch. Such dir doch eine andere Beschäftigung, bitte.“ Kaum hatte der König des Düsterwalds das gesagt, war Haldir auch schon aus der Tür. Der Rest sah ihm perplex hinterher.
„Legolas, das war eine gute Idee. Du hast meinen Boden gerettet.“
„Ja, aber wo ist er jetzt hin?“
„Das ist doch einfach. Wobei kann sich unser lieber Bruder am besten abreagieren?“, kam es jetzt von Orophin.
„Bogenschießen, schätze ich mal.“, antwortete ihm Aragorn.
Und schon waren alle auf dem Weg zum Übungsplatz. Und tatsächlich, dort stand der Galadhrim mit einem Bogen in der Hand.
„So ist er erstmal beschäftigt.“
„Ja, aber wo hat er sein Hemd hingepfeffert? Wir haben keinen Ersatz dafür.“
„Das hab ich dort über den Ast gehängt. Damit es nicht schmutzig wird. Tanwethiel würde mich umbringen, wenn sie wüsste, dass ich mich hier beim Bogenschießen vergnüge, während sie sich um meine Braut kümmert.“, kam die Antwort von Haldir.
Seine Brüder und Elrohir stimmten ihm zu und schon fingen alle Herrschaften herzlich an zu lachen. Doch dadurch wurden Neugierige angezogen.
Elenath hatte einen kleinen Spaziergang gemacht und hörte nun das Lachen. Überrascht sah sie, wer da alles stand. „Wenn das Mama wüsste. Sie denkt, dass ihr euch alle um den Bräutigam kümmert.“
Verblüfft sahen sie alle an. Keiner der Elben hatte sie kommen hören.
„Elenath, Schätzchen, das tun wir doch. Wir passen auf Haldir auf und da er nun mal hier ist, sind wir auch alle hier.“, erklärte ihr Aragorn.
„Ja, aber ich glaube Mama hat nichts davon gesagt, dass ihr euch die Zeit beim Bogenschießen vertreiben sollt.“
„Das machen wir ja auch gar nicht…“, ein irritierter Blick von Elenath bei Elrohirs Aussage „… nur Haldir hat hier einen Bogen in der Hand.“, vervollständigte Elladan die Aussage seines Bruders.
Jetzt kam Haldir auf Elenath zu und kniete sich vor sie hin.
„Hör mal meine Kleine, kannst du mir versprechen, dass das unter uns bleibt? Denn wenn du das irgendeinem erzählst und der das dann irgendwann einmal deiner Mama oder ihren Freundinnen erzählt, dann bekommt der Onkel Haldir nämlich Ärger. Und du willst doch bestimmt nicht, dass ich Ärger bekomme, oder?“
Elenath schüttelte den Kopf und ein erleichtertes Aufatmen ging durch die Reihen. Daraufhin erhob sich Haldir wieder.
„Ich glaube, jetzt wird Tante Tanwethiel doch böse auf dich.“, kam es neunmalklug von der Kleinen.
Haldir sah sie irritiert an und verfolgte ihren deutenden Zeigefinger. Der zeigte auf seine Knie, die schmutzig waren. Der Elb klopfte sich schnell den Staub von der Hose und alles war wieder in Ordnung.
„Ich denke, dass wir uns langsam fertig machen sollten.“, begann nun Eomer.
„Ja, in einer halben Stunde ist es so weit.“
„Gut, komm Elenath. Suchen wir mal Mama und schauen, wie weit die anderen schon sind.“ Daraufhin ging Eldarion mit ihr los. Ihm folgten Eomer, Elfwine und Aragorn. Sie wollten auch wissen, wie es bei den Frauen stand.
„Wir schauen mal, ob schon Gäste eingetroffen sind.“, verabschiedeten sich Rúmil und Orophin.
Zurück blieben nur noch Elladan, Elrohir, Legolas und Haldir. Der machte sich fertig und dann folgten sie den Galadhrimbrüdern.
„Ich muss mich dann erst mal von euch verabschieden. Bis gleich. Und lauf nicht wieder ein Loch in den Boden.“
„Sehr witzig Legolas. Ich wäre gern bei deiner Hochzeit anwesend gewesen und….“
Doch das hörte der König schon gar nicht mehr, denn er war schon auf dem Weg zur Braut.
Er hatte nämlich das Vergnügen, sie zum Priester zu führen.
Er war noch nicht all zu weit gekommen, als er schon die Stimme der Braut vernahm.
„Illuvatar noch mal, Quelleving, wenn du nicht sofort aufhörst an mir rum zu zupfen, entbinde ich dich deiner Aufgabe als Brautjungfer.“
Er musste nur noch um eine Ecke biegen und schon stand sie vor ihm. Sie hatte ein, auf den ersten Blick, recht schlichtes Kleid an, aber eine sehr kunstvolle Frisur.
„Legolas, du bist meine Rettung. Halt deine Schwester von mir fern, ehe ich ihr heute noch was antue.“
Legolas lachte nur und begutachtete die Braut erst einmal etwas genauer. Derweil konnten die anderen schon einmal vorgehen und ankündigen, dass sie gleich kommen würden.
„Du siehst traumhaft aus.“
„Meinst du? Ich bin so nervös. Ich glaub, ich werde nachher nur so neben Haldir hin und her zappeln.“
„So lange du nicht an der wichtigsten Stelle vergisst ‚Ja’ zu sagen, wird er dir das sicher verzeihen.“
„Das ist keine große Hilfe, Legolas.“
„Ich weiß. Aber mir ist noch eine Frage gekommen: Warum habe ich eigentlich das Vergnügen, dich Haldir zu übergeben?“
„Irgendwie… du bist irgendwie ein Stückchen Heimat für mich. Und bei Elladan und Elrohir hätte ich mich nicht entscheiden können. Außerdem brauchte ich jemanden, der mich etwas beruhigt… Siehst du, meine Hände zittern nicht mehr so.“
Legolas nickte mir verstehend zu und wir gingen los. Die Gäste hatten sich alle erhoben und betrachteten mich. Doch ich konnte nur nach vorne und endlich meinem Traummann wieder in die Augen sehen.
Von der Rede des Priesters bekam ich nicht allzu viel mit. Ich war wirklich viel zu nervös. Als ich dann Haldirs Hand in meiner bemerkte, wurde ich etwas ruhiger. Aber mir dauerte diese ganze Prozedur einfach zu lange. Irgendwann konnte ich dann endlich mein ‚Ja’ hauchten und wenig später wieder Haldirs Küsse genießen.
Dann wurden uns von allen Seiten Glückwünsche entgegen gerufen. Haldir nahm sie alle brav entgegen, denn ich war dazu im Moment nicht in der Lage. Ich war so im Anblick meines Mannes gefangen, dass mir selbst der Rest des Tages irgendwie fehlte. Ich erinnerte mich nur noch an den Eröffnungstanz, wie wir über das Parkett schwebten. Doch was wir noch alles getan hatten, war mir schleierhaft.
Kapitel 6
Der nächste Morgen begann wesentlich angenehmer, als der vorherige. Ich lag in Haldirs Armen und es kam diesmal keine Tanwethiel, die ihn mir gleich wieder wegnahm. Im Gegenteil, uns wurde sogar ein Frühstück auf dem Balkon serviert.
Bis zum Nachmittag genossen wir noch unsere Zweisamkeit. Doch dann mussten wir uns mal wieder bei unseren Gästen blicken lassen. Es gab Kaffee und Kuchen.
Dann verabschiedeten sich die ersten. Eomer und seine Familie musste wieder nach Hause. Auch Legolas und Lúthanell mussten schon los. Der Rest wollte erst am nächsten Tag aufbrechen. Der kam dann auch recht schnell.
Wieder durfte ich meiner Tochter versprechen, dass ich sie regelmäßig besuchen sollte. Was ich auch gerne tat.
So verging die Zeit.
Irgendwann heirateten auch Elfwine und Engwaarda und bald kam auch Nachwuchs. Doch kaum 15 Jahre später starb Eomer, der König der Mark. Es war das erste Ereignis, welches nicht fröhlich gefeiert wurde, sondern mit einer stillen Trauer belegt war.
Auch uns Elben berührte es sehr, obwohl wir den König gar nicht so gut kannten.
Doch vor allem Eowyn traf es sehr und auch Aragorn.
Ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich meinen Bruder verlieren würde. Es wäre sicher grausam.
Noch im selben Jahr musste Elfwine auch seine Mutter zu Grabe tragen. Engwaarda tat ihr bestes um ihn von den Todesfällen abzulenken.
Auch in Gondor gab es nun Verluste zu beklagen. Faramir war gestorben.
Eowyn versuchte stark zu bleiben. Doch als Arwen sie umarmte und ihr ihr Beileid aussprach, brach sie in Tränen aus.
Daraufhin bestimmte Arwen, dass Eowyn von nun an in Minas Tirith wohnen sollte. Sie hatte anscheinend Angst, dass die starke Schildmaid Rohans an den Verlusten ihres Geliebten zu Grunde gehen würde.
Noch weitere zehn Jahre hielt sie durch, doch dann folgte sie ihrem Mann.
Zwischendurch waren Arwen und ich Urgroßmütter geworden. Innmanadh hatte nämlich ein nettes Mädchen kennen gelernt.
Auch im Hause Düsterwald kündigte sich Nachwuchs an. Legolas war ganz aus dem Häuschen endlich Vater zu werden. Doch Lúthanell war weniger begeistert. Er schien ihr auf die Nerven zu gehen mit seiner Übervorsicht. Deshalb hatte sie ihn für ein halbes Jahr zu uns in den Goldenen Wald geschickt.
Legolas schmollte deshalb etwas, aber als er die Nachricht bekam wieder nach Hause zu kommen, war er nicht mehr zu bremsen.
Zwei Monate später konnten wir unsere Glückwünsche zu einer kleinen Gwaloth [Blüte] überbringen.
Doch wieder ein paar Jahre später erreichte uns alle die schreckliche Nachricht, dass der König Gondors im Sterben lag.
Wir ließen alles stehen und liegen und brachen sofort auf um ihn noch ein letztes Mal sehen zu können. Doch das Schicksal hatte sich gegen uns entschieden. Wir kamen zu spät.
Elladan und Elrohir versuchten vergebens Arwen zu trösten. Sie hatte schließlich ihren über alles geliebten Mann verloren.
Auch ihren Kindern und Enkeln ging es nicht besser. Alle trauerten. Selbst das Volk war sehr bedrückt, über den Tod ihres Königs.
Nachdem in Gondor ein Woche getrauert wurde, verabschiedete sich Arwen von ihren Kindern und ging in Begleitung von uns Elben nach Lothlórien.
Sie wollte noch ein letztes Mal den Goldenen Wald sehen, bevor sie sich auf den Weg zu ihrem Geliebten begab.
Elladan und Elrohir konnten das ganze nicht lange mit ansehen und gingen beide vorerst nach Bruchtal. Auch mir ging es ans Herz. Schließlich war Arwen so etwas wie eine Schwester für mich.
Haldir tat sein Bestes mich über ihren Tod hinweg zu trösten.
Eine Woche später kamen Elladan und Elrohir wieder und auch Legolas war mit Lúthanell und seiner Tochter nach Lothlórien gekommen.
Sie teilten uns mit, dass sie mit den restlichen Elben aus Bruchtal und Düsterwald nach Valinor reisen würden. Auch in Lothlórien herrschte schon Aufbruchstimmung, denn auch hier wollte keiner mehr bleiben, wenn Elrohir das Land verließ.
Ich war nicht überrascht über ihre Entscheidung. Denn schon Jahre zuvor hatten sie vereinbart, dass, wenn Aragorn und Arwen sterben sollten, sie nichts mehr in Mittelerde halten würde.
Haldir sah mich nun abwartend an. Anscheinend überließ er mir die Entscheidung, ob ich noch in Mittelerde bei meiner Tochter bleiben wollte oder ob auch ich den Freunden folgen würde.
Ich entschied mich für letzteres. Allerdings wollte ich mich noch von meiner Tochter verabschieden. Also ging es zurück nach Minas Tirith. Mein Mann begleitete mich.
Es war ein trauriger Abschied. Aber sicher nicht so traurig, als wenn ich sie hätte sterben sehen.
Bei den Grauen Anfurten trafen wir dann auf den Rest.
Und ein letztes Mal hieß es Abschied nehmen von Mittelerde, denn ich würde es sicher nicht noch einmal sehen.
Ich blickte lange zurück und wartete wieder, bis ich keine Küste mehr sehen konnte.
Haldir stand die gesamte Zeit hinter mir und drückte mich an sich. Er wartete geduldig, bis ich mich in Gedanken von meiner Tochter und dem Land meiner Jugend verabschiedet hatte.
Dann gesellten wir uns zu den anderen und genossen die Reise. Die Reise in eine neue gemeinsame Zukunft.
Und außerdem würden wir Elrond und Galadriel wieder sehen, wenn sie sich nicht schon gegenseitig irgendetwas Schlimmes angetan hatten.
The End

