Sind Träume nur Schäume?
Ich hatte nur geträumt, schlecht geträumt, nichts weiter, doch wie sagte meine Großmutter immer: „Träume sind Schäume“. Doch waren sie das wirklich? Sind Träume wirklich nichts weiter als Schäume? …
Kapitel 01
Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen kommen hervor, wie wunderschön die erwachende Natur jetzt ist. Es duftet nach Erde, nach Wind und Sonne oder einfacher gesagt nach Frühling. Langsam schlendere ich durch die Felder, Wiesen und Haine, durch Parks und an Gärten vorbei.
Nur in mir drin, ist alles erstarrt, mein ganzes Ich ist noch in einem Eisklumpen eingeschlossen und so richtig kann ich mich an der wachsenden Pracht, rings um mich herum, nicht erfreuen.
Wie oft bin ich mit Craig diese Wege gegangen? Wie oft haben wir uns hier die Hände gehalten? Wie oft haben wir uns hier tiefe Blicke zugeworfen und wie oft haben wir hier so manches liebes Wort getauscht? Und diese Wiese hier, wie oft haben wir hier gelegen und uns unserer Leidenschaft und unserem Verlangen hingegeben?
Unzählige Male… und eigentlich müssten mir bei diesen schönen Erinnerungen die Tränen fließen, ungehindert und frei. Doch ich kann nicht, ich wollte sie würden endlich fließen, mir die nötige Erleichterung verschaffen, doch es geht einfach nicht, denn ich bin wie gelähmt…
Ich wünschte, ich hätte noch die Kraft, die, die mich stets angetrieben hat das zu tun, was ich wollte, die mir immer geholfen hatte schlimme Situationen zu bestehen und zu meistern, die Kraft, die mich immer wieder in die Zukunft blicken lassen hat, die Kraft, die mich immer wieder auf den richtigen Weg gebracht hat.
Hätte ich diese Kraft noch, so würde ich Craig verlassen, hier, jetzt und sofort, ohne mich umzusehen, ohne zurückzublicken, ohne Reue. Ich würde meinem Leben eine neue Richtung geben, einen neuen Mann finden und glücklich sein.
Ihr fragt jetzt warum? Nun ja, Craig ist verheiratet, seit über fünf Jahren, und er wird es auch bleiben, für immer… Er wird seine Frau und seinen kleinen Sohn niemals aufgeben, nicht um meinetwillen und erst recht nicht nachdem er mir DAS gestern gesagt hat….
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Seit zwei Jahren kennen wir uns und seit einem Jahr lieben wir uns. Am Anfang war es eine tiefe Freundschaft, aus der später dann unsere Liebe wurde. Unter Vorwänden findet er Mittel und Wege zu mir zu kommen, mal ein PR Termin, mal eine Fotosession, mal ein Interview.
Immer treffen wir uns heimlich, immer mit der Angst im Rücken, uns könnte jemand sehen, uns beobachten und alles würde auffliegen. Selten verbringt er eine Nacht bei mir, doch wenn
er dann jedes Mal geht, bleibe ich allein zurück. Jedes Mal.
Letztes Wochenende zum Beispiel, hatte sein Sohn Geburtstag. Ich konnte mir vorstellen, wie es ablief, wie er im Kreise der Familie saß, wie sie lachten und scherzten und wie ihn seine Frau liebevoll ansah. Was dann abends noch geschah, wollte und konnte ich mir nicht ausmalen. Ich wollte es nicht wissen.
An diesem Tag hatte er bestimmt nicht an mich gedacht, nicht an unsere Liebe, nicht an unsere Spaziergänge, nicht an unsere gemeinsamen Gedanken. Doch ich habe an ihn gedacht, an sein Lachen, an seine Hände, an seine Lippen, an seine blauen Augen. Ich saß den ganzen Abend allein zu Hause und dachte nur an ihn.
In dieser Nacht sagte ich mir wieder und wieder, dass ich es nicht mehr ertragen konnte, das ich es nicht mehr fühlen wollte, dass ich endlich die Kraft haben musste, ihn zu verlassen damit ich mir wieder ein eigenes Leben aufbauen konnte - ohne ihn…
Ich wollte endlich die Liebe meines Lebens finden, die Eine, auf die ich mich verlassen konnte, die zu mir stand und mich auch verstehen würde. Eine Liebe, auf die ich bauen könnte und wo wir füreinander da waren. Doch gab es so was überhaupt?
Als ich dann in einer ruhigen Minute tief in mich hineinsah, wusste ich, dass ich es nicht konnte, das ich es nicht schaffen würde, denn Craig ist die Liebe meines Lebens, er ist der Mann den ich will, denn ich begehre, den ich fühlen, spüren und schmecken will.
Er ist der, auf den sich all mein Sein konzentriert und der mein Herz in seinen Händen hält.
Und als er dann letzten Mittwoch vor meiner Türe stand und mich mit seinen unheimlich blauen Augen ansah und mir sagte, wie sehr er mich doch liebte, waren alle Zweifel, die ich hegte dahin, schmolzen zusammen, wie der Schnee in der Sonne.
Ich glaubte wieder daran, das wir es schaffen würden, das wir noch eine Chance hätten, doch ich sollte mich täuschen. Oh ja, das dicke Ende stand mir noch bevor…
An diesem Tag nahm ich ihn mir genauer unter die Lupe, beobachtete sein Verhalten ganz genau, legte jedes seiner Worte auf die berühmte Goldwaage. Liebte er mich wirklich und meinte er es ernst mit mir? War ich wirklich nicht nur ein Zeitvertreib für ihn, den er sich gesucht hatte, um der häuslichen Idylle zu entkommen und sei es auch nur für ein paar Stunden? Würde er seine Familie vielleicht nicht doch verlassen wollen? … Irgendwann…???
Wenn er bei mir ist, bin ich das blühende Leben, wache auf aus diesem tiefen Loch, in das ich jedes Mal falle, wenn er wieder geht. Bei jedem Lächeln von ihm geht mir das Herz auf, jeder Blick von ihm bringt mich zum schmelzen und jeder Kuss von ihm lässt mich zum Himmel schweben, kurzum, wenn er bei mir ist, fühle ich mich vollkommen.
Tanja fragte mich einmal: „Warum er? Warum gerade Craig? Warum ein Schauspieler, der eh nicht viel Zeit für sein Privatleben hat und er hat nun noch dazu eine Familie? Was hat er an sich, das Du immer, wenn er wieder geht, in dieses tiefe einsame Loch fällst? Er verletzt dich, verletzt deine Seele, dein Herz und warum? Es gibt noch so viele andere Männer und du bräuchtest nur ‚ja’ zu sagen, um einen an deine Seite zu lassen. Er würde nur dich allein lieben, nur dich, immer und nicht nur so nebenher….“
Heute gebe ich ihr Recht, damals jedoch war ich ziemlich ungehalten über ihre Äußerung, hatte sie doch selbst einen Schauspieler geheiratet, einen Briten noch dazu. Doch ich wollte Craig nicht von mir weisen, denn an seiner Seite fühle ich mich ganz Frau, ganz ich selbst und wer weiß ob ich dies alles bei einem anderen finden würde…
Das jedenfalls dachte ich, bis heute, bis gerade eben, bis vor genau zehn Minuten. Wir waren verabredet, wollten essen gehen bei dem kleinen Chinarestaurant um die Ecke, wo wir schon eine ganze Weile zu den Stammgästen gehörten.
Als das Telefon klingelte, kam ich gerade aus der Dusche und wickelte mich eiligst in ein großes Badetuch. Das Klingeln klang schrill in meinen Ohren und ich wusste nicht warum, doch ich hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache.
Ich hob zaghaft ab und meldete mich. Craig war dran. Seine Stimme drang kalt und ohne jegliche Gefühlsregung aus dem Hörer. Es zog mir all meine Wärme, all meine Empfindungen aus dem Körper, als ich seine sachliche Stimme hörte und die Worte, die er sagte, klangen hohl und kitschig.
„Ich komme heute nicht, ich komme nie mehr. Es ist aus, für immer. Meine Frau ist schwanger, sie hat es mir gerade eben gesagt, ich kann und will sie jetzt nicht allein lassen. Für dich bleibt da nun keine Zeit mehr, leb wohl…“
Ich sackte an Ort und Stelle zusammen und starrte ungläubig auf das schwarze Ding in meiner Hand, das Ding, aus dem gerade eben seine so kalte und abweisende Stimme gekommen war, die ich nun nie mehr wiederhören sollte.
Seine Frau bekam also ein Kind von ihm! Dabei hatte er immer wieder beteuert, dass da nichts mehr lief, dass sie schon längst in getrennten Zimmern schliefen, dass sie sich in absehbarer Zeit trennen wollten…
Und nun? Nun hatte sie ihn noch enger an sich gebunden, nun gab es da etwas, was sie wieder verband… ich schüttelte mich bei dem Gedanken daran. Wie er seine Hand auf ihren dicken Bauch legte, wie sie sich küssten und andere intime Dinge taten.
Erinnerungen kommen in mir hoch, die, die ich bis jetzt mit noch niemanden geteilt habe, von denen andere nichts wussten, die nur mich und Craig etwas angingen, keinen anderen, nur uns zwei. Es tut weh, so verdammt weh…
Und doch sehe ich nun die Wahrheit, unverblümt und real. Ich dachte, ich würde sterben und meine Augen suchen schon nach einem geeigneten Werkzeug dazu, und es gab viele die mir auf Anhieb einfallen…
Doch nun sehe ich klar, sehe, das ich gegen seine Ehe und gegen seine Familie keine einzige Chance hatte, nicht das kleinste Quäntchen, gar nichts, nano… Ich war ein Nichts, ein Niemand, ein Gegenstand den er benutzt hatte und dessen er nun überdrüssig war, den er entbehren konnte und der ihn nun nicht mehr behindern würde…
Ich war für ihn ein schöner Zeitvertreib gewesen, eine nette Abwechselung, mal was anderes als immer nur die gewohnte Hausmannskost, ein Spielzeug, dem er jetzt den Lebenswillen geraubt hatte, dem er einen Tritt verpasst hatte, mit dem er nicht mehr spielen wollte und es nun achtlos zu Boden warf.
Doch…sollte das dass Ende sein?
Sollte das wirklich das Ende sein?
Sollte ich das wert sein?
Oder… sollte ich mir nicht mehr wert sein als das?
Mein Herz und meine Seele schreien ja, ja ich sollte mir wirklich mehr wert sein als das hier. Doch wie soll ich ihn vergessen? Wie verbanne ich den Mann, den ich über alles liebe aus meinem Herzen? Wie nur… oder wollte ich es gar nicht?
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Nein, nein, neeeeeiiiiiiinnnnnnnn…………….
Mit diesem Schrei richte ich mich schwer keuchend auf. Verwirrt sehe ich mich um und atme tief durch, es war nur ein Traum, ja, nur ein Traum. Ich liege in meinem Bett und fahre mir mit den Fingern durch die langen dunklen Haare, die nun strähnenweise in meinem verschwitzten Gesicht kleben.
Ich knipse das kleine Nachtlicht an, nur um diesem Traum zu verjagen. Ich war zu Haus, das war mein Bett und da hangen die Bilden von Craig, meinem Schwarm, an der Wand. Ich hatte nur geträumt, schlecht geträumt, nichts weiter, doch wie sagte meine Großmutter immer: „Träume sind Schäume“.
Doch waren sie das wirklich? Sind Träume wirklich nichts weiter als Schäume?
The End

