A Secret Yule
Glorfindel hat einen heimlichen Verehrer und er hofft, dass seine Zeit alleine zu Ende geht. …
Kapitel 1
An meinen über alles geliebten Glorfindel,
über viele Jahrhunderte hinweg habe ich Dich im Stillen geliebt, und ich weiß jetzt, dass ich es nicht mehr länger ertragen kann. Heute Nacht werde ich Dich treffen. Bitte, ich flehe Dich an, weise mich nicht zurück.
Dein geheimer Verehrer
Glorfindel betrachtete das klobige, männliche Gekritzel auf dem Stückchen Pergament, das ihm gerade eben von einem der Bediensteten, der gerade vorbeigegangen war, in die Hand gedrückt worden war, und er hielt den Atem an. Jemand liebte ihn? Seit seiner Rückkehr hatte er viele Bewunderer gehabt, aber sie alle hatten ihn wegen seines Ruhmes haben wollen, wegen seines Standes, nicht als den, der er wirklich war. Wäre dies hier etwas Anderes? Nebenbei, sein Herz schlug für jemanden, der so kühl und distanziert war, dass nicht einmal Eis auf seiner Zunge schmelzen würde, und Glorfindel befürchtete, sein Leben lang alleine bleiben zu müssen.
Er kleidete sich in seine besten Roben aus grünem Samt, die eine feine Stickerei trugen, die an sein vor so langer Zeit untergegangenes Haus erinnerte und machte sich mit unsicheren Schritten auf den Weg zur Halle des Feuers, wo die Weihnachtsfeierlichkeiten stattfinden würden. Sollte da doch sein Herz ein wenig schneller schlagen oder seine Schritte ein wenig mehr von Hüpfen als von Gehen haben, so ignorierte er es. Er war nicht aufgeregt. Nein, mein Herr, nicht der berühmte Balrog-Schlächter. Er war cool und leistungsfähig und brauchte niemanden.
Er trat in den hell erleuchteten Raum und sah sich um, gute Wünsche und Rufe von “Fröhliche Weihnachten!” fielen über seine Ohren her. Er strahlte und erwiderte die Rufe, während er sich auf den Weg zu seinem Herrn und dessen Familie machte. Dann blinzelte er vor Überraschung, denn während er gewusst hatte, dass Galadriel und Celeborn hier sein würden, war ihm nicht bekannt gewesen, dass ihre Eskorte aus den drei Brüdern aus dem Goldenen Wald bestehen würde.
“Es könnte nicht möglicherweise sein, oder?” dachte er für einen Augenblick, doch dann verscheuchte er den Gedanken so schnell, wie er gekommen war, als er den Elben seines Herzens passierte und nicht einmal ein Nicken bekam. Der kalte Elb stand dort und unterhielt sich mit seinen Freunden, obwohl er an ihrer vergnügten Stimmung nicht wirklich teilzuhaben schien. Es war, als umgäbe eine Schale aus Eis den blassen Blonden.
Wie sehr sehnte sich Glorfindel danach, den Krieger in seine Arme zu schließen und zu versuchen, diese kalte Hülle zum Schmelzen zu bringen, aber er wusste auch, dass er noch in dieser Nacht von der Liebe zu diesem Elben ablassen und stattdessen jemand anderen akzeptieren würde.
“Mein Herr, meine Herrin”, sagte Glorfindel, als er sich vor Elrond und Celebrian verneigte und sich dann an den Herrn und die Herrin von Lórien wandte, um auch sie zu begrüßen. Er stand dort eine ganze Weile und sprach über nebensächliche Dinge, denn alle Angelegenheiten die beiden Reiche betreffend wurden auf das Ereignis Weihnachten geschoben.
Als Elrond dann auf den großen Baum zuging, der in der Mitte des Podiums stand, um mit der Verteilung der Geschenke zu beginnen, bekam Glorfindel schwitzige Hände, und er fragte sich, was ihn wohl in dieser Nacht erwartete. Würde jemand auf ihn zukommen? Würde er eine weitere Notiz erhalten? Oder ein Geschenk?
Seine Fragen wurden beantwortet, als Elladan mit einem großen Paket auf ihn zukam, das ihm sein Vater gegeben hatte und es in Glorfindels Hände legte. “Ich danke Dir, mein Kleiner”, sagte er zu dem kleinen Elbling, doch er wurde sogleich darüber informiert, dass es nicht von ihm war. Der Captain runzelte verwirrt seine Stirn, öffnete das Paket und enthüllte ein schimmerndes Schwert, von vielen Jahren Gebrauch gezeichnet, doch es war wunderschön. Und es trieb ihm Tränen in die Augen, denn es war ein Schwert aus seiner Stadt, seiner gefallenen Stadt Gondolin, und er konnte nichts anderes tun, als sich zu fragen, wie es dazu gekommen war, dass ihm dies zum Geschenk gemacht wurde. Es musste denjenigen, der es ihm überließ, ein kleines Vermögen gekostet haben.
Dann hob Elladan das Papier auf, das zu Boden geflattert war und gab es Glorfindel. Der Krieger sah es an, und seine Augen wurden groß.
Mein liebster Glorfindel,
als ich dieses Schwert erblickte, dachte ich sofort an Dich, und als ich erfuhr, dass es aus Deiner verlorenen Stadt stammt, wusste ich, dass Du es haben musst. Niemandem könnte es mehr bedeuten als Dir. Und ich flehe darum, dass Du an mich denkst, wenn Du es in die Schlacht trägst.
Dein geheimer Verehrer
Glorfindel taumelte leicht, bewegte sich zu der Reihe aus Stühlen und sank in den ersten, den er erreichte, das Schwert fest an seine Brust gedrückt. Tränen füllten seine Augen; Tränen der Freude, Tränen des Verlustes, Tränen der Trauer, und Tränen der Hoffnung. Dann sah er sich um, versuchte, herauszufinden, wer unter den Anwesenden es sich leisten konnte, ein solches Geschenk zu machen. Aber es könnte jeder Elb hier gewesen sein. Selbst diejenigen ohne ein größeres Einkommen könnten genug zusammengespart haben, um für Weihnachten ein solches Präsent zu kaufen.
Das brachte Glorfindel zu Möglichkeit eins. Er sah Lindir an, zählte den Elben dann allerdings aus, denn er war gerade in eine innige Umarmung mit Erestor vertieft. Dann sah er Melpomaen an, doch der hielt Händchen mit Saelbeth, und jeder konnte die Liebe füreinander in ihren Augen sehen. Wo er auch hinsah, sah er Elbenpaare. Und die, die keinen Partner hatten, waren diejenigen, die an nicht mehr als an seinem Ruf des berühmte Balrog-Schlächters interessiert waren. Außer einem. Doch dieser Elb stand, steif wie ein Ladestock, in der Menge, sein Haar glänzte im Kerzenlicht wie silbriges Gold, die Augen nach vorne gerichtet, kein Ausdruck war auf seinem Gesicht zu erkennen. Verzweiflung machte sich in Glorfindel breit, und er erhob sich auf seine Füße, um den Raum zu verlassen.
Da zog eine kleine Hand an seiner Robe, Glorfindel sah nach unten und entdeckte den strahlenden Kopf eines Elbenmädchens, das eine Zuckerstange und ein zerknittertes Stück Pergament in der Hand hielt. Ohne ein Wort übergab sie ihm das Pergament und ging wieder. Glorfindel sah ihr nach, aber als sie sich den anderen Elblingen anschloss, seufzte er und sah sich das klebrige Papier in seiner Hand an.
Mein geliebter Glorfindel,
ich sehe den Zweifel in Dir, als Du Dich hinsetzt, mein Schwert in Deiner Hand. Bitte, hege keine Zweifel an meiner Liebe zu Dir. Gehe zur Gil-Galad-Statue im Garten. Ich liebe Dich.
Dein geheimer Verehrer
Glorfindel konnte nicht anders, er sprang auf seine Füße und rannte aus dem Raum, während er noch immer das Schwert fest umklammert hielt. In seiner Eile, die Statue im Garten zu erreichen, fiel er fast über die Pflastersteine, deren Verlauf nur vom Licht des Halbmondes erleuchtet wurde,
aber er musste einfach wissen, wer ihm diese Nachrichten schickte. Wer konnte wissen, wieviel ihm dieses Schwert bedeuten würde?
Schlitternd kam er vor der Statue zum Halt, und ein Runzeln erschien auf seiner Stirn, als er bemerkte, dass niemand dort war. Wer war es, der ihm dies antat? Warum war er nicht hier? Doch dann entdeckte er ein weiteres Päckchen, eingewickelt, wie es sein Schwert gewesen war, und mit zitternden Händen nahm er es an sich und setzte sich damit auf eine Bank, um es zu öffnen.
Er keuchte laut auf, als die Scheide für sein Schwert in all ihrer Pracht zum Vorschein kam. Er wusste sofort, dass sie für ihn angefertigt worden war. Sie war verziert mit dem Symbol seines Hauses, und die filigranen goldenen Blüten, die auf dem Leder zu sehen waren, funkelten. Er wusste, würde er die Scheide bei Tageslicht betrachten, so würde er herausfinden, dass sie aus Golddraht gemacht waren, und er spürte neue Tränen seine Wangen hinab fallen. Es gab jemanden, der ihn sehr gut kannte.
Diesmal war die Nachricht nur lose in die Scheide gesteckt worden, und Glorfindel zog sie heraus, die Handschrift war ihm mittlerweile vertraut.
Mein heiß ersehnter Glorfindel,
Trockne Deine Tränen, mein Geliebter. Ich weiß, wie sehr Dich das berühren muss, denn ich kenne Dich bereits sehr lange, und es war nicht meine Absicht, Dich Deiner verlorenen Stadt wegen zum Weinen zu bringen, sondern Dich an all die Freude und das Glück zu erinnern, die Du dort erlebt hast. Es war mir nicht möglich, genau herauszufinden, wie Deine Schwertscheide damals ausgesehen hat, aber ich hoffe, diese hier wird Dir gerecht werden. Ich bete darum, dass Du sie magst und sie Deines neuen Schwertes für würdig erachtest.
Komm zu den Ställen, mein Liebster.
Dein furchtbar ängstlicher Verehrer
Dieses Mal rannte Glorfindel praktisch los, um zu den Ställen zu gelangen. Er riss die Tür auf und betrat das warme Gebäude, wurde von den Geräuschen der sich bewegenden Pferde und dem flackernden Licht einer Laterne begrüßt, die angezündet an der Tür stehen gelassen worden war. Ein Päckchen lag daneben. Mit schwerem Atem riss er das Papier von dem Paket und schrie auf, erschreckte die Pferde damit. Er hielt eine exakte Nachbildung seines Mantels in den Händen - genau des Mantels, den er auf dem Wandteppich trug, der in der Bibliothek über dem Kamin hing und seinen Fall darstellte, des Mantels, den seine Mutter für ihn angefertigt und ihm zur Feier seiner Volljährigkeit zum Geschenk gemacht hatte. Er fiel auf seine Knie, als ihn der Schmerz über den Verlust seiner Mutter überkam, er vergoss viele Tränen und seine Schultern zuckten, bis er schließlich nicht mehr weinen konnte. Dann bemerkte er das Schriftstück und öffnete es.
Mein geliebter Glorfindel,
ich fürchte, ich habe Dich durch mein Geschenk erneut zum Weinen gebracht und ich bedaure das, aber ich möchte Deine Ehre wiederhergestellt sehen. Und dennoch möchte ich Dich heute Nacht in meinen Armen halten und mit Dir gemeinsam Weihnachten feiern. Ich warte in Deinen Gemächern auf Dich. Komm zu mir, mein Liebster.
Dein geheimer Verehrer
Während er sich die Tränen von den Wangen wischte, erhob sich Glorfindel, legte sich den Mantel um die Schultern und schloss ihn mit zitternden Händen. Trotz all dem Schmerz, den ihm der Mantel brachte, so schenkte er ihm doch den Trost einer Verbundenheit mit seiner Mutter. Oh, wie er sie vermisste. Sein einziger Trost in dieser Nacht war das Wissen darum, dass seine Eltern einen Monat vor dem Fall Gondolins gesegelt waren und nun in Aman lebten.
Seine Schritte wurden langsamer, als er sich auf den Weg zu seinen Räumen machte, ihm wurde plötzlich bewusst, wieviel Zeit er in den Ställen verbracht hatte, als er sich mit der einen Laterne, um nicht in der Dunkelheit zu straucheln, seinen Weg zurück zum Haus suchte. Der Mond versteckte sich hinter einer Sturmwolke, und plötzlich wurde ihm klar, dass ihre Besucher aus Lórien bis zur Schneeschmelze im Frühjahr hier festsitzen würden. Der Winter war über Imladris hereingebrochen, und schon am Morgen würde es Schnee geben. Gerade, als ihm dieser Gedanke in den Sinn kam, begannen die ersten Flocken zu rieseln und legten sich auf seine Schultern.
Glorfindel blieb noch eine ganze Weile stehen, seine Hand auf dem Türknopf seiner Räume, unsicher, ob er eintreten sollte oder nicht. Doch dann nahm er einen tiefen Atemzug, öffnete die Tür, trat ein und erstarrte.
Der Raum war nicht mehr so, wie er ihn verlassen hatte. Hunderte von Kerzen flackerten, tauchten das Zimmer in ein warmes, romantisches Licht. Sein Bett war mit smaragdgrünen Laken bedeckt, die im unsteten Feuer des Kamins glitzerten. Da standen Konfekt und Gebäck auf dem Tisch, zusammen mit einer Flasche Wein und einer Karaffe Wasser. Aber es war das, was auf der Couch ausgebreitet lag, was ihn mit dem größten Erstaunen erfüllte.
Dort lag ein weiteres Geschenk. Es war nur in eine hell glänzende grüne Schnur gewickelt. Und es war das reizendste Geschenk, das er sich vorstellen konnte. Er lachte fröhlich, als der Wolfshund-Welpe hinuntersprang, auf ihn zu rannte und an seinen Stiefeln schnupperte. Er ließ sich auf seine Knie fallen, kraulte sein Fell und umarmte ihn. Er war so vertieft, dass er nicht hörte, wie sich die Tür zum Badezimmer öffnete, auch die sanften Schritte des Elben, der sich ihm von hinten näherte, hörte er nicht. Erst als der Elb ihm seine Arme um die Schultern legte, fiel Glorfindel auf, dass er nicht alleine war, und er drehte den Kopf, um den Elben anzusehen.
“Du”, atmete er, dann wurde er still, als sein Mund von Lippen genommen wurde, die schmeckten wie süßer Nektar.
Als er schließlich wieder atmen konnte, sah Glorfindel mit einem strahlenden Lächeln auf zu seinem geheimen Verehrer und seiner geheimen Liebe. “Danke für die Geschenke. Ich liebe Dich, Haldir.”
“Und ich liebe Dich, Glorfindel”, flüsterte Haldir und forderte erneut die Lippen, nach denen er sich so lange gesehnt hatte.
The End

