Rain
Haldirs Gedanken und Erinnerungen vor seinem letzten Kampf // Warnung: Character Death

Jetzt bin ich hier. Bei all diesen Leuten und doch alleine.
Ich versuche, mich zu konzentrieren, aber ich kann es nicht. Kann nicht denken. Kann nicht warten. Aber ich muss es.
Muss auf den Angriff warten, auf eine Veränderung oder vielleicht einfach nur auf ein Zeichen.
Etwas, das mich erweckt, zerstört meinen Traum, dass ich nicht aufhören kann zu träumen. Etwas dass mich entfernt von meinen Gedanken, die ich nicht denken kann.
Mein Hand fühlt die Kälte, berührt die harten Mauern und weigert sich jedes Mal, sich zu bewegen, wenn ich es versuche.
Was tue ich hier? Warum kann dies nicht in ein paar Sekunden vorbei sein? Aber selbst das wäre noch zu lang. Ich sollte nicht hier sein. Sollte nicht die tausend Arten des Todes sehen. Aber was kann ich tun?
Kann nicht rennen. Kann nicht gehen.
Alles hat sich verändert…
Keine Blätter fallen auf meinen Kopf, während ich versuche, den Wind in den Bäumen zu fangen.
Kein süßes Wasser, kein Wort in meinem Ohr.
Zu leise. Zu leise für mich!
Ich sehe starr geradeaus. Auf den Feind. Warte auf den Ruf, der diesen unwirklichen Moment löst. Ihr starken Kreaturen, ihr alle, alle Tausend von euch, nehmt mich! Nehmt meine Seele und lasst mich diesen Ort verlassen! Zerstört diesen seltsamen moment, diese Erfahrung, die in so vielen Erinnerungen lebt.
Alle von euch, helft mir, helft diesem einen Mann. Diesem hilflose Elb, eurem Feind.

Ich bete, sehe auf, in den Himmel, suche nach dem ewigen Leben zwischen den Wolken. Aber die Götter meiner Träume sehen nicht auf mich herab. Sie müssen die Fehler gesehen habe, die ich in meiner Vergangenheit und in der Gegenwart gemacht habe.
Mein Geist ist ein offenes Buch. Nicht nur für die Götter, sondern auch für den Feind.

Ich kämpfte für all die Leute hinter mir. All die Männer und Frauen. Die Kinder in den Höhlen. Dieser Moment wird vorbei sein, muss ich mich selbst erinnern, und ich werde frei sein. Frei von den Gedanken und bereit für das, was ich tun muss.

Es ist hart, auf diese Stimme in mir zu hören. Mein Körper will sie ignorieren, aber mein Geist befiehlt mir, zu hören. All diese Dinge in meinem Kopf! Sie machen mich wahnsinnig! Wie ein Fluch!
Ich bin verloren. Verloren in dieser Dunkelheit. In diesen Momenten, diesen Sekunden der Stille. Kann nicht sehen, kann nicht hören, kann nicht fühlen.
“Gib mir ein zeichen!”, schreit meine innere Stimme heraus, die Götter hinter den Wolken anschreiend. Die Verstecken mit mir spielen. Und das Zeichen kam…

Nur ein paar Tropfen. Aber dann bin ich im furchtbarsten Sturm meines Lebens. Es ist der Sturm, in dem die Götter mir zeigen, was in meinem Kopf geschieht. All diese Gedanken. Ein Regentropfen auf meinem Körper für jeden von ihnen.

Es fühlt sich an, als würde meine Seele in eine Million Stücke gerissen. In eine Million Regentropfen. Das Ende meines Lebens? Wie viele Männer werden fallen? Werden sie ihr Leben verlieren mit nur einem Streich des feindlichen Schwertes? Götter im Himmel! Lasst dies die kürzeste Nacht aller sein!
Ich drehe mich herum, sehe in ihre Gesichter. Das kann nicht sein. Ich dachte, ich wäre der einzige, aber ich sehe die selbe Furcht in all ihren Gesichtern. Nicht nur ich. All diese Männer haben Angst vor der Dunkelheit. Ich kann ihre Furcht sehen. Elben und Menschen, Seite an Seite kämpfend bis der Sonnenaufgang sie erwecken wird.

Das laufende Wasser wäscht dieses Bild aus meinem Geist.

Ich kämpfe für all diese Leute. Ich kann nicht sterben! Ich werde es nicht! Kämpfe für sie alle, für alle, die voller Furcht sind, für ihre Frauen und Kinder, für die Sonne, die nach dem Regen aufgeht!

Ich muss aufhören zu weinen. Nicht einmal die Götter können mir noch helfen.

Und plötzlich stirbt die Stille. Eine Trommel.

Diese Nacht ist der Anfang. Nicht für mich, für all diese Leute, die jetzt gerade kämpfen- Aber ich werde nicht sterben, bis mein letzter Freund gefallen ist. Ich werde stehen, bis die Sonne aufgeht. Gemeinsam als eins.
Wir werden die Toten begraben und den Sieg feiern.
Sie kommen.
Aber ich werde stehen bleiben.
Ich werde stehen bleiben bis ich sterbe.

The End

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