Tale of Chibis
Keine Zusammenfassung …
Kapitel 1
Es war auf einmal in einem kleinen Inselkönigreich namens Neuseeland ein guter kleiner Elb namens Craig. Nur dass er eigentlich nicht wirklich klein war, eigentlich … nun, den Teil der Geschichte lassen wir lieber nur Erwachsene hören. Zunächst das wichtigste.
Es gab nicht mehr zu viele Elben in der Welt, selbst in ihrem Heimatland, aber sie alle waren etwas besonderes. Sie hatten einfach etwas. Menschen konnte es nicht wirklich beschreiben und das Blut hatte sich eh bereits vermischt, aber diese Elben und Teil-Elben schienen auf ewig im Licht der Sonne und des Mondes zu sein, wo immer sie gesehen wurden. SO wurde in diesem entfernten Land vor etwas mehr als dreißig Jahren ein weiterer geboren. Ein schwarzhaariger Kobold mit kobaltblauen Augen und einem Lachen auf den Lippen. Wir treffen ihn als jungen Erwachsenen.
Craig war immer ein guter kleiner Elbenjunge gewesen, bis zu einem schönen Tag als er ungefähr fünfzehn war. In diesem Alter war er schlaksig geworden, mit wirrem schwarzem Haar. Durch einen Zufall machte er eine Entdeckung, etwas, über das die anderen Elbenkinder nicht oft nachdachten. Er hätte dies in seiner kleinen Stadt nicht sagen sollen, die etwas hinter der Zeit war, aber unglücklicherweise hatte ihm niemals jemand gesagt, dass bestimmte Jung unfreundlich zu ihm sein konnte, wenn er sie ‚auf diese Art’ mochte. Und so wurde der arme Craig so oft für Übungszwecke benutzt, dass seine Familie in einen anderen Teil der Insel ziehen musste, in eine große Stadt, wo die Leute etwas offener waren, wenngleich sie es auch nicht verstanden.
Die nächsten zehn Jahren hielten viel Arbeit für Craig bereit. Während die meisten der Elblinge um ihn herum ihre Aufgaben mit Leichtigkeit erledigten, arbeitete sich unser Held seinen Weg langsam hinauf, unterbezahlte Jobs zu seltsamen Zeiten annehmend, damit er in seinem neuen Zuhause bleiben konnte. Es war kein Ort, an dem die Miete günstig war. Nach den ersten Monaten des Kulturschocks erlebte er etwas, für das er die Friedhofs-Schichten zum Mindestlohn annahm, um seine Tage frei zu halten. Dies war die Schauspielerei. Auf er Bühne, vor einer Kamera, war ihm alles egal; das Glück kam dadurch, dass er jeder war, nur nicht er selbst. Wie so viele, die waren wie er, war es ein Weg, alles zu verdrängen. Sei so gut in dem was du tust, dann weiß nie jemand, ob du es bist oder deine Rolle. Und Craig war ein geborener Schauspieler. Die Leute schienen sich von ihm angezogen zu fühlen, ihn in der Nähe haben z wollen (so lange er sich an das ‚nicht fragen, nichts sagen’-Modell hielt). Dafür sah er seine elbische Herkunft verantwortlich. In seiner Familie war diese nie wichtig gewesen. Es war etwas, das einfach da war, immer bei ihm. Mit ein wenig Aufmunterung widmete er sich seiner Kunst und erreichte einige gute Rollen. Nach einige Jahren konnte er tun, wovon er geträumt hatte und nur mit der Schauspielerei überleben.
Eines schönen Tages kam ein Anruf seines Agenten. Nun bekam unser kleiner Elb die Überraschung. Er sollte für welche Rolle vorsprechen? Einen Elb. Stellt euch das vor. Eine Chance … er selbst zu sein. Eine Woche später traf Craig die Person, die ihn eingestellt hatte, einen kurzen, kräftigen, ungekämmten Mann namens Peter. Wahrscheinlich aufgrund seiner eigenen Statur, auf die in seiner eigenen Welt herablassend hinuntergeschaut wurde, war Peters Gesellschaft an Elben die der größten, schlanksten, hübschsten und androgynsten, die man sich vorstellen konnte. Ngila und ihre Legionen verstärkten diesen Effekt. Craig, der sich am ehesten durch die stetige Lektüre ihrer Abenteuer mit den Elben verbunden fühlte - so sagte er allen - war sich nicht so sicher, obwohl oft ‚ansehnlich’ genannt, ob er in Peters Vision passte.
Dann sah er sich selbst in seinem Kostüm. Verwandelt in eine Elbenversion einer gefährlichen Waffe, wurde Craig die Grazie und der hochmütige Stolz, der den Elben Haldir von Lórien darstellte. Grenzwächter war er am Tag. Nachts blieb er Craig, bewahrte sich seinen Charme, mit dem er vielen den Kopf verdrehte. Doch Craig war stets vorsichtig gewesen mit seiner Zuneigung, wenn schon mit nichts anderem. Er gab seinen Körper oder sein Herz nicht leichtfertig dahin.
Wie es sich herausstellte, hatte Craig einen Verehrer, der ein wenig intensiver war als der Rest. Ihre erste Begegnung fand am Rande ‚seines’ Landes statt. In einer beidseitig peinlichen Darstellung von Verwirrung der Rollen stritten sie sich in einer fließenden fiktiven Sprache im Mondenschein auf einem Baumhaus. Scheinwerfer tauchten alles in ein silbriges Blau, der Mensch flehte, während der Elb steif und groß zu seinem Nein stand. Außerhalb dieser Szene sagte der Mann nichts in Englisch, Sindarin oder Quenya. Er musste es nicht; es war alles in seinen Augen.
Im ersten Moment dieser Erkenntnis fühlte Craig sich betrunken durch das Adrenalin. Der Mann war vor und hinter der Kamera hoch angesehen, für weit mehr als nur sein Aussehen. Craig verglich seine eigene Fähigkeit und versprach sich, sich in seiner nächsten Erscheinung selbst zu beweisen. Sie hatten Pläne für ihn, die die Leute aufbringen würden. Sie machten sogar Craig würdig, um seines Charakters willen. Den Elb aus seiner natürlichen Umgebung zu nehmen, ihn in eine Umgebung zu setzen, von der im Text nicht die Rede war, nur um ihn dann umzubringen. Etwas, dass die Puristen und die Film-Fans gleichermaßen “Schlechte Idee, Peter Jackson!” rufen lassen würde. Er würde sie dazu bringen. Als dies entschieden war, hatte er einige ernsthafte Unterredungen mit sich selbst in Bezug auf einen dreckigen Menschen. Er kicherte und benahm sich tuckig und machte sich mit den anderen zusammen seine Nägel und wartete. In der Zeit, die sie getrennt verbrachte, fiel es Craig auf, wie oft er an den Mann dachte. “Du bist ein dämlicher Idiot”, sagte er sich auf der einen Seite. Auf der anderen hatte er furchtbare Angst, seinem Co-Star zu nahe zu kommen. Das machte man einfach nicht. Vor allem nicht mit jemanden von einer anderen Spezies.
Sein Auftreten als Haldir in den Zwei Türmen verzauberte alle. In nur wenigen Wochen hatte sich etwas in seinem Gesicht verändert. Es schien aus einem inneren Leuchten heraus, so wie das eines Eldar. Hier war alles gut daran, ein Elb zu sein, die uralte Weisheit und Liebe, ein Krieger, leidenschaftlich und tapfer. Er war nicht nur begabt und elegant, sondern auch tödlich wie eine Sünde und so genauso schön in seiner glänzenden Rüstung.
Helms Klamm. Kalt und dunkel und erschöpfend, und lang lang lang, so verdammt lang dass nach den ersten beiden Tagen seine Nerven vor Erwartung bis zum Zerreißen gespannt waren. Craig vergaß seine persönlichen Sorgen und wurde einer der Untoten. Die ganze Nacht zu drehen und die meiste Zeit des Tages zu verschlafen; jeder am Set war blass und vampirartig geworden.
Nach drei Wochen rief der Drehplan alle Streitmächte zusammen. Also stand Haldir an Aragorns Seite, um drei Uhr morgens zu müde um sich daran zu stören, dass der Mann ihn konstant anstarrte. Es war sogar einfacher, es zu ignorieren. Die Rüstung, die Waffen, die fliegende blonde Perücke, die Craig nicht nur in eine Gestalt von unerreichter Pracht verwandelte, gaben ihm genug Distanz, so dass er sich vor seinen komplizierten Gedanken retten konnte. Unter all seinem Schutz, so versicherte er sich selbst, war er nur Craig, der kleine schwule Elb Craig (okay, nicht wirklich klein) der dafür getreten wurde, dass er so geboren wurde und der nun einen Job hatte, den er durchziehen und eine Karriere, die er schützen musste.
“Mae Govannen”, sagte der abgerissene, heruntergekommene Mensch ein paar Nächte später. “Ihr seid uns sehr willkommen.” Er sprang beinahe los, um den überraschten Grenzwächter zu umarmen, der sich, nach seiner anfänglichen Überraschung entspannte. Dann tat er es weitere sechs Male bevor der Regisseur zufrieden war. Froh, dass es beinahe Morgen war, ging Craig über sich selbst kopfschüttelnd vom Set weg, reduziert auf einen nur noch etwas anmutigen in Rüstung steckenden Haufen Matsch. Auf dem halben Weg zur Garderobe sagten ihm seine Sinne, dass jemand hinter ihm war, eine halbe Sekunde bevor sich eine schwere Hand auf seine Schulter legte. “Mae Govannen”, hörte er die Stimme, die er erwartet hatte.
“Was ist das Sindarin-Wort für ‘endlich’?”, war Craigs einzige Frage.
The End

