Two Rings to Bind Them
Haldir hat ein Geschenk für seinen Partner. - Teil 4 der “Haldir Sequence” …
Kapitel 1
Der Wind brachte den Duft satter Sommerblumen mit sich, als Haldir Alphens Talan erreichte.
“Haldir!” rief sie erfreut aus. “Wie viele Jahren haben wir uns nicht gesehen!”
“Viel zu viele,” antwortete er, während er sie umarmte und ihr einen Kuss auf die Wange gab, “Wie geht es dir und deiner Familie?”
Zwei Stunden plauderten sie über die Familie und Freunde, ehe Haldir auf den Grund seines Besuches zu sprechen kam.
“Ich weiß, dass du dich in den letzten Jahren mehr dem Weben als dem Silberschmieden gewidmet hast, aber vielleicht kennst du ja jemanden, der einen Ring für mich machen kann. Ich möchte ihn meinem Partner zum Geschenk machen. Kurz bevor ich abgereist bin, waren wir zusammen auf Patrouille. Wir wurden von Orks überfallen und sein schnelles Eingreifen rettete mich davor, verwundet zu werden. Deshalb möchte ich mich mit einem Geschenk bei ihm bedanken.”
“Was stellst du dir da vor?” fragte Alphwen.
“Nichts zu aufwendiges. Ich dachte an ein Muster aus Mallornblättern und Blumen, die ein einfaches Band einfassen,” sagte Haldir.
Alphwen nahm ein Wachstablett und einen Schaber und fertigte mit schnellen Strichen einige Skizzen an. Sie reichte Haldir das Tablett,
“So wie diese? Das Muster kann man in das Metall eingravieren oder als Inlay designen, dann ist der Kontrast stärker.”
Haldir verfolgte die Linien der zweiten Skizze, “Das ist sehr schön, Alphwen, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Kennst du jemanden, der mir den Ring schnell anfertigen kann? Ich habe nur drei Wochen Zeit.”
Sie lächelte und sagte “Oh, kein Problem. Ich selbst werde ihn für dich machen. Ich denke, Angor wird mir seine Schmiede für ein paar Stunden borgen.”
“Angor schmiedet jetzt Silber? Davon wusste ich ja gar nichts.”
“Gold, meistens jedenfalls. Bist du sicher, dass du einen Silberring haben willst?” fragte Alphwen.
Haldir versuchte sich den Ring vorzustellen, während er nochmals ihre Skizzen betrachtete, “Er ist so schön, Alphwen, dass ich ihn am liebsten selbst behalten würde. Wäre es zuviel verlangt, oder würde es zuviel Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich dich bäte, einen aus Gold mit Silberintarsie für meinen Partner und einen weiteren aus Silber mit Goldintarsie machen würdest?
Alphwen sagte lachend, “Du bist schon immer ein Schmeichler gewesen, Haldir. Weißt du die Ringgröße von deinem Freund?”
“Ich habe an einem seiner Ringe Maß genommen,” gab Haldir zu und reichte ihr eine dünne Lederschnur, die Knoten als Längenmarkierungen aufwies.
“Wie aufmerksam von dir. Las mich nun bei dir Maß nehmen, so…und dann fange ich morgen an, wenn Angor einverstanden ist. Komm doch noch mal in sechs Tagen vorbei, ich lade dann noch einige Freunde mit ihren Ehepartnern und Kindern ein. Mein Mann Carandir wird dir gefallen, er interessiert sich sehr für Sprachen, so wie du. Du bist nicht verheiratet, oder?” sagte Alphwen mit einem mitleidsvollen Blick in ihren grauen Augen.
“Keine Jungfrau hat jemals mein Herz erobert,” sagte Haldir mit einem verspielten Unterton, der zeigte, das er das Thema für unwichtig hielt obwohl er schon mehrere Jahrhunderte über dem Alter war, in dem Elben aus Lórien für gewöhnlich heirateten.
“Naja. Vielleicht triffst du ja jemanden bei unserem Treffen, und wenn nicht, dann irgendwann.”
***
Haldir betrachtete zufrieden das Paar Ringe, Spiegelbilder in Gold und Silber, die auf einem blauen Tuch lagen. Alphwen hatte darauf bestanden, dass er den seinen anprobierte, aber wollte ihn erst tragen, wenn er sein Gegenstück seinem Partner gegeben hätte. Er lächelte traurig, als er an diesen Moment dachte.
Er und Melpomaen hatten siebzehn Jahren zusammen gearbeitet und wurden als das beste und effektivste Team unter den Grenzwachen betrachtet.
Was keiner in Lórien ahnte war, dass sie seit den letzten zwölf Jahren ein unzertrennbares Paar gewesen waren. Es hatte auf einer von Celeborn angeordneten Reise begonnen. Im Verlauf ihrer Reise waren ihnen die Lembas, ihr Wegbrot, ausgegangen. Dieses hatte die wenig bekannte Eigenschaft, sexuelle Bedürfnisse zu unterdrücken.
Von ihren Beschränkungen befreit, waren er und Melpomaen Liebende geworden; während sie nicht beide männlich gewesen, hätte man sie als verheiratet betrachtet, aber da sie es waren, war ihre Beziehung und Bindung tabu.
Sie waren in der Wächtertruppe geblieben, obwohl man dort gezwungen war, regelmäßig Lembas zu essen, mit all seinen Konsequenzen. Sie liebten dieses Leben, und konnten so offen zusammen arbeiten und wohnen, aber keine Liebe machen.
Irgendwann würde es eine andere Lösung für sie geben. Haldir wusste, dass es für Melpomaen, der sehr viel jünger als er selbst war, eine größere Bürde und Frustration darstellte, seine Zuneigung nicht physisch ausdrücken dürfen, als für ihn selbst. Haldir selbst empfand es von Zeit zu Zeit auch als qualvoll - besonders, wenn die Wirkung des Lembas nachließ, und er allein war.
Alphwens Party hatte ihn an all das erinnert. Es war schön gewesen, so viele Freunde aus seiner Jugend wiederzutreffen, mit ihrer Ehegatten und Kindern und sogar Enkelkindern, aber ihr offensichtliches Glück verstärkte auch sein Bewusstsein, das er anders war. Seine Freunde dachten, er hätte keine feste Beziehung und stellten ihm diverse Frauen vor, von denen sie glaubten, sie kämen in Frage. Er fand diese auch sehr sympathisch, hatte aber das auch Gefühl, sie dadurch zu betrügen, dass er nicht frei sagen konnte, dass er schon gebunden war.
Ähnlich zurückhaltend war er seinen Eltern gegenüber. Sie würden nicht nur enttäuscht, sondern regelrecht entsetzt sein, wenn sie erführen, dass er mit seinem Partner, eine Beziehung hatte und mit Freude zu ihm zurückkehrte. Seine gemischten Gefühle brachten ihn dazu, seine Eltern fest zu umarmen, dann aber schnell seine Sachen zu packen und zum Camp seiner Einheit zurückzukehren.
***
Zu Haldirs Enttäuschung war Melpomaen nirgendwo zu sehen, als er den Talan, welchen sie teilten, erreichte, obwohl es ihn sehr berührte, das alles so ordentlich aufgeräumt war.
Melpomaen war eigentlich eher ein unordentlicher Typ, weswegen es regelmäßig Streit zwischen ihm und Haldir gab. Haldir packte seine wenigen Sachen schnell aus und versicherte sich, dass die Ringe sicher in seiner Gürteltasche verstaut waren. Er hatte seine Rückkehr bei Hauptmann Lórindol schon gemeldet, als Melpomaen den Weg heraufgetrabt kam und ihn begrüßte.
“Dír! Wie war deine Reise? Ich dachte, du würdest erst morgen zurückkommen.” Melpomaens Augen strahlten vor Glück, als er Haldir umarmte.
“Das musst du falsch verstanden haben,” sagte Haldir. “Ich hatte von Anfang an geplant, heute zurückgekommen. Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Aber macht nichts. Ich war in unserem Talan, und wollte mich noch fürs Aufräumen bei dir bedanken.” Er knuffte Melpomaen in die Rippen. “Ich weiß, dass das nicht deine Lieblingsbeschäftigung ist.”
“Die Reise war angenehm, und ich habe es genossen, alte Freunde und Familie wiederzusehen. Wie sind die Dinge hier gelaufen. Keine Probleme mit Ork-Patrouillen gehabt?”
Melpomaen schüttelte seinen Kopf: “An die Grenzen war es in den letzten Wochen ruhig. Bist du schon beim Hauptmann gewesen?”
“Ich habe mich selbstverständlich zurückgemeldet, aber das ist alles. Warum?” fragte Haldir.
“Er hat dir nichts über unseren Auftrag gesagt?”
“Nein nichts,” sagte Haldir
“Gut. Ich hatte ihm gesagt, er solle das mir überlassen - ich erzähl’s dir nach dem Essen,” sagte Melpomaen, als einige andere Mitglieder des Kontingents auf der Lichtung erschienen. Sie grüßten Haldir und fragten ihn, wo er sich während seiner freien Zeit herumgetrieben habe.”
Es war schon spät, die Sterne strahlten hell am Himmel und ein fast voller Mond stand hoch über den Baumwipfeln, als die beiden zu ihrem Talan zurückkehren konnten.
“Ich habe dich vermisst, meldanya, mein Geliebter,” sagte Haldir in Melpomaens Ohr, als sie einander in den Armen hielten.
“Ich wünschte, wir könnten unseren Urlaub zusammen nehmen, aber das könnte - kompliziert werden, fürchte ich. Aber ich habe Dir etwas mitgebracht.” Er zog das kleine, in Stoff gewickelte Päckchen heraus und gab es Melpomaen.
“Der goldene ist für dich, der silberne für mich,” fuhr Haldir fort, als Melpomaen den Stoff auseinander faltete und die glitzernden Ringe auspackte.
“Wie schön”, sagte Melpomaen mit sanfter Stimme. Er nahm seinen Ring und untersuchte die filigrane Arbeit, indem er ihn immer wieder im Laternenlicht herumdrehte.
“Lass´ mich ihn dir anlegen,” sagte Haldir, nahm Melpomaens rechte Hand und steckte ihn auf seinen Zeigefinger.
“Alphwen sagte, dass sie ihn anpassen würde, wenn es notwendig wäre, aber es seht aus, als würde er passen.”
Melpomaen nickte. Er nahm den zweiten, silbernen Ring und steckte ihn auf Haldirs Finger, dann küsste er seine Handfläche. “Danke, Dír. Das ist ein sehr aufmerksames Geschenk - ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.”
“Ich bin froh, dass er dir gefällt,” sagte Haldir. Er streichelte Melpomaens Haar und strich lose Strähnen zurück. Er hätte gern Liebe mit ihm gemacht, um seinem Lebensgefährten zu zeigen, wie sehr er ihn mochte, aber das war unmöglich, also gab er sich mit einem Kuss auf Melpomaens Wange zufrieden.
“Ich habe auch ein Geschenk für dich, von dem ich hoffe, dass es dir gefällt,” sagte Melpomaen “Na ja, kein wirkliches Geschenk.”
Haldir wartete, aber Melpomaen brachte ihm nichts, sondern sprach statt dessen weiter.
“Lórindol hat schließlich zugestimmt ; ich habe die meiste Zeit, in der du weg gewesen bist, damit verbracht, ihn davon zu überzeugen, dass wir pünktlicher zurückkehren sollten, als das letzte Mal; aber er hat uns ausgewählt, König Thranduil eine Nachricht nach Grünwald zu überbringen. So werden wir also etwa drei Monate zusammen reisen, nur wir beide. Wir müssen fast sofort abreisen, in etwa drei Tagen. Außer du möchtest vielleicht nicht, weil du gerade erst zurückgekommen bist?” Melpomaen beendete seine Rede mit einem angespannten Unterton in seiner Stimme. “Lórindol hat darauf bestanden, dass du dein Einverständnis gibst, weil das über die gewöhnlichen Pflichten hinaus geht. Außerdem sind andere da, die diese Aufgabe übernehmen würden.”
“Natürlich werde ich mit dir gehe, Maen,” sagte Haldir, nahm die Hände seines Geliebten in seine eigenen. Die glänzenden Ringe an ihren Fingern bestätigten ihren Bund. “Natürlich.”
The End

